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1.6. Auswahl eines Bewerbers

Grundsätzlich können Sie sich unter den Bewerbern denjenigen aussuchen, der Ihnen am geeignetsten erscheint.

Beachten sollten Sie aber:

  • Bei der Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter müssen bestimmte Regelungen eingehalten werden.
  • Kinder (bis 14 Jahre) dürfen nicht beschäftigt werden. Für den Abschluss eines Arbeitsvertrags mit einem Jugendlichen muss die Zustimmung/Genehmigung des gesetzlichen Vertreters vorliegen.

Immer mehr Bewerber gehen dazu über, vorab telefonisch anzufragen, ob sie dem Anforderungsprofil überhaupt entsprechen. Dies hat für Sie den Vorteil, dass Sie eine telefonische Vorauswahl treffen können und nur potenziell geeignete Bewerber bitten, Ihnen die Bewerbungsunterlagen zuzusenden.

Hinweis: Hinsichtlich einer Rücksendepflicht von Bewerbungsunterlagen muss unterschieden werden, ob Sie als Arbeitgeber in einer Stellenausschreibung zu einer Bewerbung aufgefordert haben oder ob die Bewerbung unverlangt übersandt wurde. Eine unverlangt eingesandte Bewerbung müssen Sie nur zurückschicken, falls ein Freiumschlag beigelegt wurde. Bei einer Bewerbung aufgrund einer Stellenanzeige müssen Sie nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens die Unterlagen vollständig auf Ihre Kosten zurückschicken.

Hilfreich ist, sich einen Kriterienkatalog für diese Telefonate zu erstellen. Dieser könnte so aussehen:

  • fachliche Voraussetzungen:
    • Ausbildung
    • Berufserfahrung (Bereich, Umfang)
    • momentane Aufgaben
  • fachübergreifende Fähigkeiten, wie beispielsweise:
    • sprachliche Ausdrucksfähigkeit
    • gute Umgangsform
    • freundliches, sympathisches, offenes Wesen
    • Eigeninitiative (stellt weiterführende Fragen)
    • Selbstsicherheit/Selbstvertrauen (spricht ruhig, sicher und strukturiert)
  • gegebenenfalls den frühestmöglichen/gewünschten Eintrittstermin

Für das Gespräch sollten Sie sich Zeit nehmen. Fällt das Gespräch positiv aus, bitten Sie den Bewerber die Bewerbungsunterlagen zuzusenden oder vereinbaren gleich einen Termin zum Vorstellungsgespräch.

Wie viele Bewerber letztendlich einen Termin zum Vorstellungsgespräch erhalten, hängt von der Zahl der infrage kommenden Kandidaten ab und davon, welchen Aufwand Sie betreiben wollen.

Sie können die Bewerber in einem Einzelgespräch oder im Rahmen eines Assessment-Centers kennenlernen. Große Unternehmen führen mehrere Bewerbungsrunden durch, das heißt, die Favoriten der ersten Runde werden noch einmal eingeladen. Im ersten Gespräch ist meist der Personalverantwortliche und zumindest eine Person aus der Abteilung, in der die Stelle besetzt werden soll, anwesend. In der zweiten Runde kommen dann in der Regel die zukünftigen Vorgesetzen dazu.

Das Vorstellungsgespräch kann folgendermaßen ablaufen:

  • Begrüßung
  • kurze erste Vorstellungsrunde
    (Name und Position der anwesenden Personen)
  • der Bewerber stellt sich vor
    (z.B. Informationen über Ausbildung und Berufsweg, zu Bewerbung und Zeugnissen)
  • Vorstellung des Unternehmens und der ausgeschriebenen Stelle
  • Fragen an den Bewerber
  • Fragen des Bewerbers
  • Informationen zum Arbeitsverhältnis und zum Arbeitsvertrag
    (z.B. Vergütung, Arbeitszeiten, Probezeit)
  • Mitteilung des Entscheidungstermins
  • gegebenenfalls Besichtigung des Arbeitsplatzes

Während des Vorstellungsgespräches können Sie alle für Sie entscheidenden Fragen stellen. Allerdings muss der Bewerber nur die zulässigen Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Generell zulässig sind beispielsweise Fragen

  • zum Personenstand,
  • zum beruflichen Werdegang,
  • zu Sprachkenntnissen und absolvierten Lehrgängen,
  • zu bevorstehenden oder bereits abgeleisteten Wehr- oder Ersatzdienstpflichten,
  • zum Vorliegen und der Dauer einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis,
  • zum Vorliegen von Gehaltsabtretungen oder Gehaltspfändungen,
  • zum Wohnort des potenziellen zukünftigen Mitarbeiters,
  • zu anhängigen Ermittlungs- oder Strafverfahren und
  • zu bestehenden nachvertraglichen Wettbewerbsverboten.

Hinweis: Beantwortet ein Bewerber eine zulässige Frage nicht wahrheitsgemäß oder nur unvollständig und kommt es daraufhin zum Abschluss eines Arbeitsvertrags, kann der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten oder das Arbeitsverhältnis außerordentlich kündigen.

Generell unzulässig sind beispielsweise Fragen nach

  • der Religions-, Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit (davon ausgenommen sind sogenannte Tendenzunternehmen, z.B. kirchliche Einrichtungen),
  • einer bestehenden Schwangerschaft,
  • einer beabsichtigten Eheschließung und
  • der Familienplanung generell.

Hinweis: Auf eine nicht zulässige Frage darf der Bewerber sogar wahrheitswidrig antworten.

Die Kosten, die dem Bewerber durch die Anreise zum Vorstellungsgespräch entstehen, müssen Sie ihm erstatten, wenn Sie ihn zum Vorstellungsgespräch eingeladen haben. Wenn Sie die Kosten nicht übernehmen wollen, müssen Sie darauf bei der Einladung ausdrücklich hinweisen.

Hinweis: In Unternehmen mit mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern muss der Betriebsrat vor jeder Einstellung eines Arbeitnehmers zustimmen. Werden Vorstellungsgespräche mit verschiedenen Bewerbern durchgeführt, muss dem Betriebsrat der Gesprächsinhalt mitgeteilt werden. An den Bewerbungsgesprächen selbst braucht der Betriebsrat jedoch nicht beteiligt zu werden. Sie müssen gegebenenfalls dem Betriebsrat sämtliche Bewerbungsunterlagen übergeben, ihm über die Personalien der Bewerber Auskunft geben und über die zu besetzende Stelle und den Einstellungstermin informieren. Dies gilt auch für Bewerber, die nicht zur engeren Wahl gehören.

 

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