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2.1. Entscheidungs- und Vertretungsbefugnis

Die natürlichen Elternrechte stehen unter besonderem Schutz des Grundgesetzes. Im Normalfall liegt die elterliche Sorge für das Pflegekind auch nach der Unterbringung in einer Pflegefamilie weiterhin bei den leiblichen Eltern. Sie umfasst die Personensorge (z.B. die Erziehung, Aufsichtspflicht, Bestimmung des Aufenthalts des Kindes und die Gesundheitssorge) sowie die Vermögenssorge des Kindes. Daher muss beispielsweise zur Beantragung eines Kinderreisepasses oder vor operativen Eingriffen auch bei Pflegekindern die Unterschrift der leiblichen Eltern vorliegen.

Pflegeeltern sind jedoch nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch berechtigt, in Angelegenheiten des täglichen Lebens zu entscheiden und die Inhaber der elterlichen Sorge in solchen Fällen zu vertreten. Zu den Angelegenheiten des täglichen Lebens zählen:

  • in der Schule: Gespräche mit Lehrern, Konferenzen
  • Arztbesuche
  • Einkäufe für das Kind
  • Anmeldungen in Vereinen
  • Besuche bei Freunden und Verwandten der Pflegefamilie
  • Urlaube im Inland
  • alle weiteren Entscheidungen des Alltags

Abgesehen von diesen Fällen bleibt es grundsätzlich bei der gesetzlichen Vertretung durch die leiblichen Eltern. Über Angelegenheiten des täglichen Lebens hinausgehende Entscheidungen müssen in einer gemeinsamen Absprache zwischen leiblichen Eltern, dem Jugendamt und der Pflegefamilie getroffen werden. Beispiele:

  • Anmeldung in Kindergarten oder Schule
  • Operationen/Impfungen
  • Entscheidung über den Wohnort

Denken Sie daran, dass bei allen Entscheidungen, die Sie alleine als Pflegefamilie oder gemeinsam mit der Herkunftsfamilie und dem Jugendamt treffen, stets das Wohl des Kindes an oberster Stelle stehen sollte. Deshalb werden solche zu treffenden Entscheidungen auch immer Gegenstand der Hilfeplangespräche sein.

Hinweis: Als Pflegefamilie können Sie auch beantragen, dass Ihnen das Familiengericht Angelegenheiten der elterlichen Sorge überträgt, wenn das Kind für längere Zeit in Ihrer Familie lebt. Die Übertragung bedarf der Zustimmung der Eltern. Bei Gefährdung des Kindeswohls kann den Eltern das Sorgerecht auch ganz oder teilweise entzogen und ein Ergänzungspfleger oder Vormund bestellt werden. Als Ergänzungspfleger oder Vormund kommen auch die Pflegeeltern in Betracht.

Weitere Informationen zum Thema "Sorgerecht" finden Sie im Kapitel "Familien vor Gericht" der Lebenslage "Familie und Kinder".

 

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