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Pressearchiv 2010 - Detailansicht

Flurneuordnung bringt Biotopvernetzung

21.12.2010

Neue Strukturen und Lebensräume für Natur und Erholung wurden in der Flurneuordnung Bad Buchau-Kappel (L 275) seit 2007 geschaffen. Landschaftspflegeflächen mit insgesamt rund elf Hektar vernetzen Ried, Wald und Gewässer auf den Gemarkungen Buchau und Kappel. Im November wurden diese Flächen an die Stadt Bad Buchau übergeben.


Ein durchgängiger Gewässerrandstreifen entlang des Mühlbachs, Flutmulden, ein Gewässeraltarm und ein Teich bilden die Grundlage für den Biotopverbund. Große extensive Gras- und Krautstreifen schaffen eine Verbindung zwischen dem Kappeler Wald und dem Plankental mit seinen hochwertigen Biotopstrukturen. Ergänzt werden diese durch weitere größere und kleinere Landschaftspflegeflächen, die die Landschaft gliedern und wertvolle Trittsteine für Tiere und Pflanzen bilden. Insgesamt wurden durch die Vernetzung wichtige Lebensräume und Rückzugsgebiete geschaffen.

Nach dem Bau der Umgehungsstraße und der Umgestaltung der Feldstrukturen wurden von der Teilnehmergemeinschaft der Flurneuordnung die landschaftspflegerischen Flächen angelegt und gepflegt. Teilweise als Ausgleich für den Eingriff durch die Umgehungsstraße sowie den Eingriff durch den Feldwegebau der Teilnehmergemeinschaft wurden über fünf Hektar Fläche durch die Stadt Bad Buchau freiwillig aufgebracht. Mit diesen zusätzlichen Flächen wurden einerseits das Ziel einer Biotopvernetzung und andererseits die Schaffung von Strukturen in der ausgeräumten Agrarlandschaft um Kappel verfolgt.

Die Weichen wurden bereits 2002 erfolgreich gestellt, als mit der Feldwegenetzplanung ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt wurde und landwirtschaftliche Flächen zum Zwecke der späteren Nutzung als Biotopflächen erworben wurden. Dabei arbeiteten Stadt Bad Buchau, Teilnehmergemeinschaft, Landwirtschaft und Flurneuordnungsamt von der Planung bis zur Ausführung eng zusammen.

Zunächst kritisch sahen die Landwirte den durch die geplanten ökologischen Flächen zusätzlichen Flächenverbrauch, der nach dem Verlust von Anbaufläche durch die Umgehungsstraße eine zusätzliche Belastung darstellte. Bei der Anlage der kräuterreichen Wiesen und Ackerbrachen konnten die örtlichen Landwirte dann als Pfleger für diese Flächen gewonnen werden, wodurch die betrieblichen Nachteile minimiert wurden. Für den Pflegeaufwand erhalten die Landwirte einen Geldausgleich, so dass diese wieder auf ihre Kosten kommen. Die Landwirte stellen ihrerseits durch die Pflege die ökologische Wertigkeit der für die Tier- und Pflanzenwelt wertvollen Flächen sicher.

Auch private Vereinigungen konnten für eine Kooperation gewonnen werden. So erklärte sich die NABU-Ortsgruppe bereit, für die Flächen der ehemaligen Kiesgrube der Teilnehmergemeinschaft eine Patenschaft zu übernehmen. Diese Fläche benötigt aufgrund des ausgemagerten Bodens verhältnismäßig wenige Pflege. Auf ihr ist jedoch eine ökologische Vielfalt zu finden, die nur durch regelmäßiges Ausräumen des Flachwasserteichs erhalten werden.

Für die am Mühlbach angelegten Gewässer hat der örtliche Fischereiverein eine Patenschaft übernommen. An diesen neuen Gewässern konnte mittlerweile auch der Eisvogel beobachtet werden.

Mehr Natur für Bad Buchau wurde zudem durch weitere Aktivitäten der Teilnehmergemeinschaft und des Flurneuordnungsamtes erreicht. Damit eine abwechslungsreiche Flur entsteht, wurden auf den eingesäten Landschaftspflegeflächen 50 Bäume und 400 Sträucher von der Teilnehmergemeinschaft gepflanzt. Durch Wildverbiss sind einige dieser Hecken und Bäume abgestorben. Sie werden in Kürze ersetzt. Bei einer freiwilligen Pflanzaktion Ende 2007 wurden 116 widerstandsfähige, alte Obstsorten durch private Eigentümer in deren Grundstücke gesetzt.

Bäume, Hecken und Bodendecker wurden im Rahmen der Flurneuordnung auch dem Ruh-Christi-Verein zur Aufwertung der Feldkreuze und der katholischen Kirche zur Bepflanzung der Plankentalkapelle in den vergangenen Jahren zur Verfügung gestellt.

Eine kleine Anpassung der angelegten Landschaftspflegeflächen wird im Frühjahr 2011 noch erfolgen. So soll eine Teilfläche von rund 18 Ar am Wasserreservoir im Zuge einer Widerspruchsregelung zum Aussichtturm verlegt werden.