„Sieben im Süden“ – Freilichtmuseen im Land Baden-Württemberg
Staatssekretär Walter und Landrat Dr. Schmid verständigen sich über die Freilichtmuseen im Land
Die sieben regionalen ländlichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg ziehen jedes Jahr mehr als 600.000 Besucherinnen und Besucher in den Bann. Den bevorstehenden Saisonstart der „Sieben im Süden“ nutzten Dr. Heiko Schmid, Biberacher Landrat und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der regionalen ländlichen Freilichtmuseen, und Jürgen Walter MdL, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, für einen grundsätzlichen Gedankenaustausch über die weitere Zusammenarbeit von Land und Freilichtmuseen.
Landrat Dr. Heiko Schmid würdigte den Anteil des Landes an der erfolgreichen Arbeit der Freilichtmuseen und erinnerte an die langjährige Zusammenarbeit von Wissenschaftsministerium und den „Sieben im Süden“: In den 1980er-Jahren hatte die Landesregierung zugunsten regionaler, zumeist von Landkreisen getragenen Museumsdörfern darauf verzichtet, ein zentrales Landesfreilichtmuseum zu gründen.
„Das Wissenschaftsministerium war uns seither stets ein zuverlässiger Partner, gerade auch in finanziellen Fragen“, bekräftigte der Biberacher Landrat. „Wir zählen auch bei den vor uns stehenden Herausforderungen auf die enge Zusammenarbeit mit dem Land.“ Auch Staatssekretär Jürgen Walter betonte die Bedeutung der Freilichtmuseen: „Aus Sicht des Landes übernehmen die ‚Sieben im Süden’ eine besondere Aufgabe in der Museumslandschaft: Sie stellen den historischen Alltag ihrer jeweiligen Region dar und bieten so nicht nur Geschichte ‚von unten‘, sondern auch Geschichte zum Anfassen – und das ohne Kitsch oder Verklärung.“
Jahresprogramm
Bei der Arbeitstagung der „Sieben im Süden“ wurde auch das diesjährige Jahresprogramm vorgestellt. Der gemeinsame Saisonauftakt der sieben Museum, bei dem die 1950er-Jahre auf vielfältige Weise zum Leben erweckt werden, findet am 1. April im Odenwälder Freilandmuseum statt. Bis Ende Oktober bieten die einzelnen Museumsdörfer ein buntes Programm: Einen ersten Saisonhöhepunkt im Freilichtmuseum Beuren bedeuten die Schäfertage am 21./22. April – Kultur und Geschichte der Schäferei zeigen sich in vielen Facetten. Am 12./13. Mai lockt das Hohenloher Freilandmuseum mit dem „Süddeutschen Käsemarkt“ Traditionsbewusste und Feinschmecker nach Wackershofen. Ein großes Jubiläum wird im Schwarzwald gefeiert: Der Vogtsbauernhof wurde vor genau 400 Jahren errichtet – das Schwarzwälder Freilichtmuseum feiert dieses Jubelfest am 26./27. Mai. Beim „Dampffest“ im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach am 9./10. Juni erwacht schnaubend und keuchend die Hochtechnologie des 19. Jahrhunderts zu neuem Leben. Zahlreiche Besucher wird am 1./2. September das traditionelle Museumsfest mit Geißentagen in das Bauernhaus-Museum Wolfegg locken. Und die weithin bekannte „Neuhauser Kirbe“ im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck mit ihrer begehrten „Dünne“ findet am 6./7. Oktober statt.
Regionale Kulturzentren
In ihren Regionen haben sich die Museen in Beuren, Gottersdorf, Gutach, Kürnbach, Neuhausen ob Eck, Wackershofen und Wolfegg längst als feste Größen etabliert – im Bereich Freizeit und Tourismus ebenso wie bei Kunst und Kultur. Mit Erfolg haben sie sich zu jenen „regionalen Kulturzentren“ entwickelt, die bereits in der ersten Kunstkonzeption des Landes gefordert wurden und sich auch in der aktuellen Konzeption „Kultur 2020“ finden. Dabei zeichnen sich die Angebote in den Museumsdörfern gerade durch ihre Niederschwelligkeit aus – in die Freilichtmuseen kommen Besucherinnen und Besucher aus allen Schichten der Gesellschaft. Diesen Aspekt hob auch Staatssekretär Jürgen Walter hervor: „Mich beeindruckt, dass die Freilichtmuseen auch viele Menschen erreichen, die sonst nie in ‚klassische‘ Museen gehen – auch das unterstreicht die Bedeutung der ‚Sieben im Süden‘ für Baden-Württemberg.“
Die ältesten Gebäude in den Museumsdörfern stammen aus dem Mittelalter, doch wird auch selbstverständlich die Zeitgeschichte dargestellt – Jahresthema in der Saison 2012 sind „Die 1950er-Jahre auf dem Land“. „Für uns ist dieser Zugang eine große Chance“, unterstrich Landrat Dr. Schmid: „Diese Jahre stellten einen tiefen Bruch im dörflichen Alltag dar. Zugleich zeigen wir eine Epoche, die die Besucherinnen und Besucher selbst erlebt haben oder von ihren Eltern kennen. Auf diese Weise finden die Menschen besonders einfach Zugang zu den präsen-tierten Inhalten – und haben idealerweise auch noch Spaß dabei.“
Zum Abschluss verabschiedeten Landrat Dr. Schmid und Staatssekretär Walter mit Albrecht Bedal ein Urgestein aus dem Kreis der „Sieben im Süden“ – der langjährige Leiter des Hohenloher Freilandmuseums Wackershofen geht im April in Ruhestand.

