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1.3 Franchise

Sie können viele Probleme und Risiken verringern, die die Gründung eines Betriebs im Alleingang mit sich bringt, wenn Sie ein fertiges Geschäftskonzept kaufen. Das System heißt Franchising und wird heute in vielen Branchen praktiziert. Sie als Franchise-Nehmerin oder Franchise-Nehmer nutzen dabei die Vorteile eines komplett erarbeiteten Vertriebssystems mit erprobtem Geschäfts- und Marketingkonzept. Trotzdem sind Sie selbständige Unternehmerin oder Unternehmer.

Es gibt drei Möglichkeiten des Franchisings:

  • Der Franchise-Nehmer übernimmt die Geschäftsidee eines Franchise-Gebers gegen Gebühr, lässt sich schulen und betreuen. Die unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch beschränkt.
  • Der Franchise-Geber entwickelt ein eigenes System auf Grundlage einer erprobten Geschäftsidee, die durch Franchise-Nehmer schnell expandieren kann.
  • Der Master-Franchise-Geber erhält die Lizenz eines ausländischen Franchise-Unternehmens, das sich auf dem deutschen Markt etablieren möchte. Man tritt damit als Franchise-Geber in einer bestimmten Region oder in ganz Deutschland auf.

Vor- und Nachteile von Franchising

Franchising bietet Ihnen als Existenzgründerin oder Existenzgründer viele Vorteile, vor allem hinsichtlich des Gründungserfolgs. Doch je nach Gründerpersönlichkeit können Merkmale des Franchisings unterschiedlich gewertet werden.

Mögliche Vorteile:

  • Sie nutzen das Know-how und die Erfahrung des Franchise-Gebers.
  • Sie haben ein relativ geringes Risiko.
  • Der Franchise-Geber ermöglicht Ihnen die Nutzung eines bewährten oder bereits entwickelten Geschäftskonzepts.
  • Der Franchise-Geber gestattet Ihnen die Nutzung einer im Idealfall schon etablierten Marke.
  • Sie erhalten vom Franchise-Geber wesentliche Unterstützung, z.B. bei betriebswirtschaftlichen Aufgaben oder beim Marketing.
  • Franchise-Geber bieten Ihnen oft Gebietsschutz, durch den sich die Konkurrenz innerhalb des Arbeitsgebiets verringert.
  • Sie werden unter Umständen vom Franchise-Geber bei der Finanzierung der Existenzgründung unterstützt.

Mögliche Nachteile:

  • Die unternehmerische Richtung ist ziemlich genau festgelegt und ist von Ihnen als Existenzgründerin oder Existenzgründer nur eingeschränkt beeinflussbar. Ihre unternehmerische Freiheit ist eingeschränkt
  • Festgelegte Abnahmemengen und Bezugsquellen können Sie einschränken.
  • Die Franchise-Gebühren können Ihr Einkommen erheblich schmälern.
  • Fehler anderer Franchise-Nehmer beziehungsweise des Franchise-Gebers können auch Ihr Image oder sogar Ihr wirtschaftliches Überleben gefährden.
  • Das unternehmerische Risiko liegt dennoch meist vollständig bei Ihnen.

Wägen Sie die genannten Merkmale des Franchisings genau ab und prüfen Sie selbst, ob Sie darin Vor- oder Nachteile sehen. Beachten Sie, dass Sie bei Franchise mit regelmäßigen Kosten rechnen müssen. Neben einem bestimmten Gründungskapital wie bei jeder Unternehmensgründung benötigen Sie meist eine Investitionssumme und eine Einstiegsgebühr, die Franchise-Geber von Ihnen verlangt. Danach fallen laufende Franchise-Gebühren an, z.B. für einheitliche Werbeaktionen, Weiterentwicklung des Know-how, laufende Beratung und Systemleistung. Diese betragen meist einen Prozentanteil Ihres Umsatzes. Sie müssen sie monatlich zahlen.

Die richtige Geschäftsidee

Die folgenden Fragen können helfen eine Geschäftsidee einzuschätzen:

  • Hat die Geschäftsidee ein langfristiges Marketingpotential? Kurzlebige Modetrends sollten Sie vermeiden. Die Akzeptanz einer Dienstleistung kann zum Beispiel durch eine Umfrage oder eine Kleinanzeige getestet werden.
  • Befriedigen die angebotenen Waren oder Dienstleistungen einen regelmäßig anfallenden Bedarf?
    Produkte oder Dienstleistungen, die nur selten nachgefragt werden, eignen sich für Franchising nur bedingt.
  • Bietet das Konzept besondere Wettbewerbsvorteile gegenüber den Mitbewerbern?
    Viele Franchise-Systeme locken Interessenten mit dem Spruch "Unser Produkt ist konkurrenzlos". Diese Aussage ist immer falsch. Jedes Produkt steht mit irgendeinem anderen im Kampf um Kunden.
  • Ist die Erfolgsformel übertragbar?
    Aus einem erfolgreichen Einzelhandelsunternehmen muss nicht zwangsläufig auch eine erfolgreiche Franchise-Kette resultieren. Ein etabliertes und alteingesessenes Fachgeschäft kann gut laufen, weil der Inhaber den heimischen Markt und seine Besonderheiten kennt. Versucht er diesen Erfolg woanders zu wiederholen, hat er es mit einem neuen Umfeld und einer neuen Situation zu tun.
  • In welcher Phase befindet sich die Branche, in die eingestiegen werden soll?


Über die aktuelle Marktlage und die Zukunftsaussichten sollte Sie sich möglichst detailliert bei Fachverbänden und Branchenzeitschriften informieren. Zudem bieten die Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer Hilfestellung. Falls Sie technische Ausrüstung über den Franchise-Geber beziehen müssen, sollte die Ausrüstung konkurrenzfähig sein.

Besonders anfällig für Marktveränderungen sind Me-too-Konzepte. Vorsicht ist auch bei Konzepten geboten, die aus dem Ausland kommen. Was in den USA oder in Frankreich funktioniert, muss nicht zwangsläufig in Deutschland erfolgreich sein.  

Eignung als Franchise-Nehmer

Zunächst müssen Sie für eine prinzipielle Selbständigkeit geeignet sein. Dafür sollten Sie sich folgende Fragen beantworten:

  • Passt meine praktische Erfahrung zur gewählten Branche?
  • Habe ich schon einmal die Arbeit von Mitarbeitern organisiert und kontrolliert?
  • Besitze ich eine fundierte kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Ausbildung oder entsprechende Erfahrung?
  • Bin ich bereit, in den ersten Jahren pro Woche 60 oder mehr Stunden zu arbeiten?
  • Unterstützt die Familie das Vorhaben?

Im zweiten Schritt sollten Sie sich als Franchise-Nehmerin oder -Nehmer noch folgende Fragen ehrlich beantworten:

  • Ist der wirtschaftliche Erfolg wichtiger als die unbedingte Verwirklichung eigener Ideen?
  • Kann ich damit leben, dass der Name eines Franchise-Gebers über dem Geschäftslokal steht und nicht meine eigener?
  • Fällt es mir leicht, von außen vorgegebene Standards zu akzeptieren?
  • Kann ich die Fachkompetenz anderer anerkennen und deren Ratschläge oder Anweisungen befolgen?
  • Kann ich ab und zu Entscheidungen hinnehmen, die mir nicht passen?
  • Kann ich mit gleichberechtigten Partnern zusammenarbeiten?
  • Bin ich bereit, Erfahrungen an andere Franchise-Partner weiterzugeben und dafür Freizeit zu opfern?

Franchise-Partnerschaften beruhen auf Leistung und Gegenleistung. Durch eine vertragliche Vereinbarung gestattet der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer eine Franchise "zum Zwecke der Vermarktung bestimmter Waren und Dienstleistungen zu nutzen" - so lautet die offizielle Definition. Dafür erhält der Franchise-Geber eine unmittelbare oder mittelbare finanzielle Vergütung.

Tipp: Einen Einstieg in das Thema bietet die GründerZeiten-Ausgabe "Franchise". Weitere Hilfestellung erhalten Sie auch beim Deutschen Franchise Verband e.V.

 

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