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Saatkrähen in Laupheim

Situation in Laupheim 

Bild: concepts for conservation

Die ersten Saatkrähen brüteten bereits Anfang der 90er Jahre in der Laupheimer Innenstadt. Seither haben die Brutpaare zugenommen, wenn auch in manchen Jahren ein Rückgang zu verzeichnen war. Heute gibt es ungefähr 650 Brutpaare in der Innenstadt. Während der frühere Gesamtbestand im Rißtal bei zirka 500 Brutpaaren lag, hatte dieser 2012 seinen Höhepunkt und hat seither um 310 Paare abgenommen. Die größte Saatkrähenpopulation Baden-Württembergs gibt es in Lahr mit 1.540 Brutpaaren (Stand 2009), die sich auf neun Großkolonien verteilen.

Im Frühjahr 2015 hat das Landratsamt die Ornithologin Dr. Marion Gschweng mit der Studie, die durch die Stiftung Naturfonds gefördert wird, beauftragt. Ziel war, die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsiedlung der Saatkrähen zu klären und konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Die Arbeit basiert auf einer umfänglichen Datenauswertung, Verhaltensbeobachtungen und Beringungsaktionen. Erfahrungen anderenorts in Deutschland sind ebenso eingearbeitet wie die Stellungnahmen Betroffener. In mehreren Workshops wie beispielweise zu den Themen Jagd, Landwirtschaft, Maßnahmen wurden Sachfragen abgearbeitet und Lösungsoptionen diskutiert.

Fazit der Machbarkeitsstudie

Für eine erfolgreiche Umsiedlung ist es notwendig, die Brut- und Lebensräume außerhalb des Stadtgebietes so attraktiv wie möglich zu machen. Mit etwas zeitlichem Abstand müssen die Brutplätze im innerstädtischen Bereich so unattraktiv wie möglich gestaltet werden.

Mögliche Standorte befinden sich im nordwestlichen bzw. nordöstlichen bis östlichen Rißtal. Hier sollen durch Maßnahmen wie Verbesserung der Biotope und Nestumsetzungen neue Kolonien gebildet werden. Begleitet werden diese von gezielten, streng überwachten Vergrämungen. Für einen Erfolg ist es notwendig, die Maßnahmen straff zu koordinieren und nach Inhalten und Zeitabläufen streng mit allen Akteuren – Stadt, Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz, Krähengegner und -befürworter –  abzustimmen. Das soll nun weiter verfolgt werden und maßgebend ist hier insbesondere die Stadt Laupheim.

Um neue, sich stark vergrößernde Splitterkolonien und eine Verlängerung der Brutzeit zu vermeiden, soll der Nestumbau und gezielte massive Vergrämung eher ab Mitte dieses Jahres beziehungsweise im Vorfeld der nächsten Brutperiode im Herbst erfolgen.

Farbberingung

Bild: concepts for conservation

Auf der Webseite www.saatkraehen-laupheim.de können Meldungen von Beobachtungen direkt eingegeben werden und der Melder wird per E-Mail informiert, wo der Vogel beringt wurde und wie alt er ist.

Die Farbmarkierung dient der Information, aus welcher Kolonie die Jungvögel stammen, wo sie sich nach dem Ausfliegen bevorzugt aufhalten und wie sich die Gruppen zusammensetzen. Da die Jungvögel die Brutkolonien von morgen bilden ist es wichtig, ein möglichst genaues Bild der Situation von den 1-2 jährigen, noch nicht geschlechtsreifen Tieren zu bekommen. 

Im Winter ziehen die süddeutschen Krähen nach Frankreich und Spanien, wo sie mit anderen Krähen überwintern. Die im Landkreis Biberach überwinternden Krähen sind in der Regel zuziehende Saatkrähen aus nördlichen Populationen, die im Frühjahr wieder in ihre angestammten Brutgebiete zurückkehren.

Für eine Beurteilung, ob eine Umsiedlung potentiell möglich ist, müssen soviel Informationen wie möglich über die Populationen im Laupheimer Stadtgebiet gesammelt werden. Bisherige Vergrämungsmaßnahmen, wie Schreckschüsse, Nestentfernung vor der Brutzeit, Aussägen von Ästen, Einsatz von Falken, akustische und optische Reize, brachten bisher keine Lösung. Im Gegenteil, insbesondere durch Vergrämungen während der Brutzeit bilden sich Splitterkolonien, das heißt die Saatkrähen verteilen sich dadurch flächenmäßig auf ein noch größeres Gebiet.

Eine Vergrämung (z.B. Abschuss von Schreckschüssen oder Leuchtpatronen) während der Brutzeit ist sogar kontraproduktiv, da sich dadurch die Brutperiode verlängert. Weil die Tiere zuerst von einer Brut abgehalten werden, fangen sie später an zu brüten oder bauen neue Nester und es verschiebt sich damit der Legebeginn nach hinten. Da manche Individuen der Kolonie jedoch zum normalen Zeitpunkt anfangen führt dies zu einem insgesamt längeren Zeitraum, während dem sich die Krähen an ihren Brutplätzen aufhalten.

Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Naturschutzfonds

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