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Pressemitteilung

12.10.2017 10:18 Alter: 11 days

Vertrauliche Geburt – Netzwerk im Landkreis Biberach

Auf Initiative der kommunalen Schwangerschaftsberatungsstelle im Kreisgesundheitsamt und der katholischen Schwangerschaftsberatungsstelle der Caritas fand kürzlich im Landratsamt Biberach ein Fachtreffen zum Thema „Vertrauliche Geburt“ statt. Ziel dieses Treffens war es, alle Akteure, die mit einer vertraulichen Geburt in Kontakt kommen könnten, zu vernetzen.


Andrea Bachthaler von der Schwangerschaftsberatungsstelle im Kreisgesundheitsamt (links) und Brigitte Dom von der Schwangerschaftsberatungsstelle der Caritas (rechts).

Neben den Schwangerschaftsberaterinnen waren die Amtsleitungen des Kreisgesundheitsamtes, des Sozialamtes und des Jugendamtes, der Chefarzt und die leitende Hebamme der Frauenklinik Biberach, niedergelassene Gynäkologinnen, Familienhebammen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der  Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes, des Standesamts und des DRK anwesend. 
Der Nachmittag wurde von den Teilnehmenden als sehr hilfreich und gewinnbringend erlebt. Die Vernetzung der verschiedenen Institutionen garantiert auch bei der vertraulichen Geburt eine reibungslose Zusammenarbeit und ermöglicht den betroffenen Schwangeren die bestmögliche Versorgung und Begleitung.

Was ist eine Vertrauliche Geburt?
Seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Mai 2014 sind bis Juni 2017 bundesweit 345 Kinder unter dem Schutz einer vertraulichen Geburt zur Welt gekommen. Im Landkreis Biberach war bisher noch keine vertrauliche Geburt zu verzeichnen. 

Das Gesetz richtet sich an Frauen und Mütter in konflikthaften Lebenssituationen und soll gefährliche Geburten, Aussetzung oder Tötung  eines Säuglings direkt nach der Geburt verhindern. Die Frauen können bei der Geburt anonym bleiben. Das Neugeborene wird zur Adoption freigegeben. Im Alter von 16 Jahren hat das Kind das Recht seine wahre Herkunft zu erfahren. 

Im Idealfall sucht die betroffene Frau vor der Entbindung eine Schwangerschaftsberatungsstelle auf, wo ihr Lösungswege und Hilfsangebote für ihre Situation aufgezeigt werden. Im Rahmen dieser Beratung kann sie sich auch für die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt entscheiden. Es ist auch denkbar, dass eine Frau direkt in die Klinik geht mit dem Wunsch einer vertraulichen Geburt. In diesem Fall muss von dort aus die Schwangerschaftsberatungsstelle unverzüglich eingeschaltet werden. Die betroffene Frau wählt ein Pseudonym aus, unter welchem sie ab diesem Zeitpunkt bis zur Geburt auftritt. Ihre wahre Identität ist nur der Schwangerschaftsberaterin bekannt. Diese ist in diesem Verfahren federführend, ohne sie ist eine vertrauliche Geburt nicht durchführbar. Die Daten werden in einem Herkunftsnachweis aufgenommen und beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufbewahrt. Die Frau bleibt gegenüber allen anderen, mit der Geburt befassten Institutionen anonym. Die Mutter hat bis zum Abschluss der Adoption - erfahrungsgemäß nach zirka einem Jahr - zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit ihre Anonymität aufzugeben und sich für ein Leben mit ihrem Kind zu entscheiden. 

Den Referentinnen der Schwangerschaftsberatungsstellen war es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Entscheidung einer Frau, ihr Kind unter dem Schutz der vertraulichen Geburt zu entbinden, eine sehr verantwortungsvolle ist. Die Schwangere und das Ungeborene sind in diesem Fall medizinisch gut versorgt  und das Kind kann sicher im Krankenhaus zur Welt kommen. Darüber hinaus hat das Kind dadurch die Möglichkeit, später seine wahre Herkunft zu erfahren. Ein Bedürfnis das jeder Mensch hat. 

Beratungsstellen für Schwangere und Familienangehörige im Landkreis
Jede Frau und jeder Mann hat Anspruch auf Beratung zu Themen rund um Schwangerschaft, Familienplanung, Verhütung und Sexualaufklärung. Oftmals kommen Paare, um sich über finanzielle Hilfen und rechtliche Aspekte beraten zu lassen. Wichtige Themen sind Elterngeld oder Vaterschaftsanerkennung. Eltern können bis zum dritten Lebensjahr des Kindes zur Beratungsstelle kommen. Außerdem ist die Beratungsstelle da, wenn Frauen oder Paare sich in einem Schwangerschaftskonflikt befinden und eine Entscheidung über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft treffen müssen. Die Beratung ist ergebnisoffen. Selbstverständlich stehen die Beraterinnen unter Schweigepflicht. Die Beratung ist kostenlos.

Kontakt
Die Kommunale Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle im Kreisgesundheitsamt ist zu erreichen unter der Telefonnummer 07351 52-6151 sowie hier im Internet.

Die Katholische Schwangerschaftsberatungsstelle der Caritas Region Biberach-Saulgau unter der Telefonnummer 07351 5005150 sowie im Internet unter www.caritas-biberach-saulgau.de erreichbar. 

Das Hilfetelefon für Schwangere in Not ist ein zentraler Notruf für Schwangere in Konfliktlagen, rund um die Uhr mit Fachkräften besetzt, mehrsprachig und anonym. Die Telefonnummer lautet 0800 4040020, die Internetseite ist zu erreichen unter www.geburt-vertraulich.de.

Weitere Informationen und Bildmaterial gibt es auch unter www.bmfsfj.de. 


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