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Informationen zur Tuberkulose

Die Diagnose Tuberkulose kommt oft überraschend und stellt auch heute noch für viele Betroffene eine Belastung dar. Zwar ist eine Tuberkulose in aller Regel problemlos behandelbar und die Krankenhausaufenthalte sind im Vergleich zu früher kurz, trotzdem ruft die Tuberkulose gerade bei Älteren, die die Nachkriegszeit erlebt haben, Ängste und ein ungutes Gefühl hervor. Verstärkt wird dieses Unbehagen durch meist notwendige, kurzfristige Schutzmaßnahmen wie Isolation, Besuchsbeschränkung, Kittel und Mundschutz. Kaum ist der erste Schock der Diagnosestellung bewältigt, naht neues Ungemach: das Gesundheitsamt meldet sich an.
 
Tuberkulose ist eine ansteckende Erkrankung, die durch Tröpfcheninfektion weitergegeben werden kann. Der erste Gedanke vieler Tuberkulosekranker gilt deshalb nach Nennung der Diagnose und Aufklärung über die Erkrankung nicht sich selbst, sondern ihren Angehhörigen. Habe ich jemanden angesteckt? Und als zweites: Woher kommt meine Erkrankung?

Umgebungsuntersuchung

Genau diese Fragen versucht das Gesundheitsamt zusammen mit den Betroffenen zu klären. In einem ausführlichen Gespräch werden diejenigen, die einem Infektionsrelevanten Risiko ausgesetzt waren und/oder als Quelle der Erkrankung in Betracht kommen ermittelt. Diese Kontaktpersonen werden informiert und zur notwendigen Untersuchung gebeten. Ärztliche Schweigepflicht und Dienstgeheimnis werden dabei immer gewährt. Personenbezogene Daten des Erkrankten etwa der Name oder Angaben, aus denen Rückschlüsse möglich sind, erfolgen keinesfalls. Eine Ausnahme ist möglich, wenn der Erkrankte dies selbst wünscht und den Arzt des Gesundheitsamtes von der ärztlichen Schweigepflicht entbindet. Für Kontaktpersonen ist dieses Vorgehen oft überraschend, da sie unerwartet eine Untersuchungsaufforderung erhalten, ohne dass ihnen der konkrete Anlass genannt wird. Sie haben dann den zwar verständlichen Wunsch nach Information, der jedoch nicht erfüllt werden kann. Das Wissen darum, bei wem sie sich angesteckt haben könnten, ändert nichts an der Notwendigkeit der Untersuchung. Sie müssen darauf vertrauen, dass das Gesundheitsamt seine Aufgabe sorgfältig und gewissenhaft erledigt.

Datenschutz und Schweigepflicht 

Anonymität und Schutz personenbezogener Daten sind nicht nur vom Gesetz gefordert und garantiert, sondern zur Erfüllung der Aufgabe auch notwendig. So kann es für den Erkrankten viele nachvollziehbare sachliche, berufliche oder persönliche Gründe geben, Kontaktpersonen, bei denen er sich angesteckt haben könnte, nicht zu nennen. Man muss dabei nicht unbedingt an die berühmte außereheliche Affäre denken. Auch ein Geschäftsmann fürchtet berechtigt um seine Kunden und das Kind muss in seiner Schulklasse vor Diskriminierung geschützt werden. Nur wenn Diskretion und Anonymität gewahrt wind, ist die Aufgabenerfüllung durch das Gesundheitsamt möglich. Auf der anderen Seite liegt diese Verschiedenheit dem Erkranken auch die Verpflichtung auf, alle Umstände, die mit seiner Erkrankung in Zusammenhang stehen, vertrauensvoll mit dem Vertreter des Gesundheitsamtes zu besprechen. 

Untersuchung der Kontaktpersonen

Den Kontaktpersonen wird eine kostenfreie Untersuchung im Gesundheitsamt angeboten. Wenn sie sowohl als Quelle in Betracht kommen, als auch eine Infektionsgefährdung ausgesetzt waren, ist neben allgemeinen Untersuchungen eine Röntgenaufnahme und ein Interferon- Gamma Test notwendig. Falls die Untersuchung durch einen Arzt der Wahl erfolgt, muss das Ergebnis übersandt werden und dürfen dem Gesundheitsamt keine Kosten entstehen.
 
Diese Untersuchungen dienen sowohl dem Schutz der einzelnen Kontaktperson als auch in ihrer Gesamtheit dem der Allgemeinheit.

Der Einzelne und die Allgemeinheit 

Das Gesundheitsamt ist bemüht, auf jeden Einzelnen einzugehen, ihn zu informieren und seine Fragen zu beantworten. Hierdurch gelingt es auch in den Fällen, in denen der Sinn einer Untersuchung nicht unmittelbar eingesehen wird, meist, die Betroffenen zu überzeugen. Manchmal gibt es jedoch Menschen, die nicht bereit sind, Nachteile wie den Zeitaufwand für die Untersuchung zum Wohle aller in Kauf zu nehmen. Auch bei Erkrankten selbst können diese Probleme auftreten, wenn etwa trotz Ansteckungsfähigkeit eine Krankenhausaufnahme abgelehnt wird. Dann verpflichtet das Gesetz das Gesundheitsamt in letzter Konsequenz auch Zwangsmaßnahmen einzuleiten. Obwohl dies in der Praxis bei guter Information und enger Zusammenarbeit zwischen Patient, Hausarzt, Klinik und Amt so gut wie nie vorkommt, rührt das Unbehagen beim Umgang mit dem Gesundheitsamt vielleicht hieraus. Bei genauerer Überlegung sollte dies uns allen eher ein Gefühl der Sicherheit und Beruhigung geben. Nur so ist gewährleistet, dass notwendige Maßnahmen auch dann erfolgen, wenn der Betroffene sie mit aus seiner persönlichen Sicht vermeintlich guten Gründen verweigert.

Ansprechpartner/in

Christina Prijono
Telefon 07351 52-6165
Telefax 07351 52-5165
christina.prijono(at)biberach.de

 

Jochen Schmid
Telefon 07351 52-7637
Telefax 07351 52-5214
jochen.schmid(at)biberach.de