Pressemitteilung

29.12.2021 10:27 Alter: 138 days

VGH Baden-Württemberg hat im Eilverfahren entschieden: Beschlagnahmte Hunde dürfen vermittelt werden

Nicht ganz eineinhalb Jahre nachdem das Landratsamt Biberach 67 Hunde in Langenenslingen beschlagnahmt hat, dürfen diese nun vermittelt werden und können endlich ein endgültiges Zuhause erhalten. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat im Eilverfahren eine unanfechtbare Entscheidung getroffen. Die Anträge der Tierhalterin wurden abgelehnt, unter anderem die Auflösung des Hundebestandes und die Einziehung der Hunde waren somit rechtmäßig. Das Hauptverfahren steht allerdings noch aus. Erst dann wird vollends geklärt sein, wer für die angefallenen Kosten für Unterbringung und medizinische Versorgung der Hunde aufkommen muss.


Nach der Eilentscheidung des VGH dürfen die beschlagnahmten Hunde jetzt vermittelt werden.

Nach tierschutzrechtlichen Anzeigen wurde ein Hundezuchtbetrieb im August 2020 durch das Kreisveterinäramt Biberach kontrolliert. Vorgefunden wurden 67 Hunde zweier Rassen, die unter unhygienischen Bedingungen gehalten wurden. Wegen der erheblichen Vernachlässigung der Tiere und der Mängel in der Hundehaltung wurde die Erlaubnis zur Hundezucht widerrufen und die sofortige Wegnahme der Hunde mit pfleglicher Unterbringung angeordnet. Die Tiere wurden daraufhin auf verschiedene Aufnahmeeinrichtungen aufgeteilt und dort pfleglich untergebracht. Bei den Erstuntersuchungen wurde bei vielen Tieren ungepflegtes Fell, Verfilzungen und zu lange Krallen festgestellt. Zudem lagen auch verschiedene Krankheiten vor, die eine tierärztliche Behandlung nötig gemacht haben. Viele der Tiere wiesen Gebissanomalien, Zahnfehlstellungen, abgebrochene oder fehlende Zähne auf, sodass mehrere Operationen zur Korrektur der Zähne medizinisch notwendig wurden. In den Aufnahmeeinrichtungen kamen weitere sieben Welpen zur Welt. Zwei Hunde sind inzwischen an Käufer übergeben worden, ein Tier musste aufgrund seiner Erkrankung eingeschläfert werden, ein weiteres ist plötzlich verstorben. In den Aufnahmeeinrichtungen sind derzeit 70 Hunde aus dieser Tierhaltung untergebracht. 

Gegen die Tierhalterin wurde ein Hundehalte- und Betreuungsverbot erlassen und die Auflösung des Bestandes angeordnet. Die Einziehung der Hunde wurde ebenfalls angeordnet. Gegen alle Verfügungen legten die Tierbesitzerin Widerspruch ein und es erfolgte ein Eilantrag der Hundebesitzerin beim Verwaltungsgericht Sigmaringen. Das Verwaltungsgericht hatte Anfang März 2021 den Antrag der Tierhalterin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs gegen die Fortnahme und pflegliche Unterbringung der Hunde abgelehnt, mit der Begründung, dass diese Maßnahmen voraussichtlich rechtmäßig seien. Hingegen wurde für die Einziehung der Hunde die aufschiebende Wirkung hergestellt. Begründung hierfür war, dass ohne mündliche Verhandlung nicht beurteilt werden könne, ob der Tierhalterin künftig die Haltung einer geringen Anzahl an Hunden, erlaubt werden könne. Weiter sei nicht erkennbar, dass eine tierschutzgerechte Unterbringung und Pflege nicht gewährleistet wäre, wenn die Hunde bis zur Entscheidung in der Hauptsache in den Aufnahmeeinrichtungen verblieben. Gegen den Beschluss wurde vom Landratsamt Biberach und der Hundezüchterin Beschwerde eingelegt.