Pressemitteilung

06.12.2012 16:17 Alter: 7 yrs

Zwei Brücken sollen die Fluggebiete für Fledermäuse aufrechterhalten

Die Baustelle der Nordwestumfahrung von Biberach wird insbesondere an den Wochenenden gerne als Ausflugsziel von Spaziergängern und Radfahrern angenommen. Viele der „Schaulustigen“ haben sich in den letzten Tagen und Wochen sicherlich gefragt, welche Funktion die auf der Baustelle liegenden Stahlträgerkonstruktionen westlich der B 465 für die künftige neue Straße übernehmen sollen.


Im Rahmen eines Pressetermins (6. Dezember 2012) wurde das Geheimnis von Landrat Dr. Heiko Schmid vor Ort gelüftet.

„Die Nordwestumfahrung durchschneidet zwischen der L 273 (Birkenharder Straße) und der B 465 (Warthauser Straße) zwei Waldkomplexe. Untersuchungen aus dem Jahr 2009 haben ergeben, dass diese Waldzüge von zahlreichen Fledermausarten als Flugkorridor genutzt werden. Mit dem Bau der neuen Strasse werden diese Flugbahnen getrennt. Alle Fledermausarten gelten als europarechtlich geschützte Arten. Im Planfeststellungsbeschluss für die Nordwestumfahrung wurde von daher der Bau von zwei Fledermausquerungen aufgenommen, um diese Verbundkorridore wieder herzustellen“, sagte Landrat Dr. Heiko Schmid heute beim Aufstellen der Fledermausbrücken.

Erst mit der Anpassung des deutschen Naturschutzgesetzes an europäische Auflagen im Jahr 2007 wurden die artenschutzrechtlichen Bestimmungen deutlich verschärft, mit der Folge, dass im Planungsprozess derlei Vermeidungsmaßnahmen wie der Bau von Fledermausbrücken vermehrt erforderlich wurden.

Die Folgen durch die Änderungen beim Naturschutzgesetz stellten die Planer fachübergreifend vor eine große Herausforderung, da bisher so gut wie keinerlei Erfahrungen über den Bau von Fledermausbrücken vorlagen.

In einem langen Prozess unter Beteiligung von Biologen, Landschafts- und Tragwerksplanern wurden verschiedene Varianten untersucht.

Als Ergebnis der Abstimmung wurde eine Lösung festgelegt, bei der auf einbetonierten Widerlagern Stahlfachwerkträger aufgelegt werden, welche die u-förmigen Fledermausbrücken, die mit Blechen an den Seiten und im Bodenbereich verkleidet sind, tragen. Die westliche Brücke wird fünf Meter breit und hat eine Spannweite von 34 Meter. Die östliche Brücke wird vier Meter breit und hat eine Spannweite von rund 40 Meter. Beide Brücken haben eine Höhe von gut drei Meter und kosten zusammen rund 400.000 Euro. Die Fledermäuse können sich mittels Ultraschall an den Brücken orientieren und so die Straße queren. Leitstrukturen aus Bäumen und Sträuchern sollen die Fledermäuse zu den Brücken führen. Die Errichtung von Zäunen soll die Leitstrukturen unterstützen bis die Bepflanzung eine entsprechende Höhe erreicht hat.

Ein mehrjähriges Monitoring soll die tatsächliche Nutzung der Fledermausbrücken kontrollieren. Dazu sollen Detektoren und Infrarotkameras das Flugverhalten prüfen.

Hintergrund
Mit dem Bau der Nordwestumfahrung wurde im November 2010 begonnen. Die Nordwestumfahrung ist das größte Straßenbauprojekt, das der Kreis in den vergangenen Jahrzehnten realisierte. Die zirka 4,3 Kilometer lange Straße verbindet die B 312 und die L 267 und umfährt die Stadt Biberach und die Gemeinde Warthausen. Damit entlastet sie den Stadt- und Ortskern, macht diesen attraktiver, lebens- und erlebenswerter. Auch in finanzieller Dimension zählt die Nordwestumfahrung mit einem Investitionsvolumen von 21,71 Millionen Euro zu den größten Maßnahmen. Davon übernehmen das Land 13,07 Millionen Euro, der Landkreis Biberach 3,84 Millionen Euro, die Stadt Biberach 3,48 Millionen Euro und 1,32 Millionen Euro die Gemeinde Warthausen. Die Nordwestumfahrung soll im Frühjahr 2013 für den Verkehr freigegeben werden.