Pressemitteilung

30.10.2019 09:05 Alter: 21 days

Ambulantes Versorgungsmanagement nach Klinikentlassung

Im Rahmen eines Fachtags im Landratsamt, an dem über 80 Interessierte teilgenommen haben, wurde aus verschiedenen Perspektiven das Entlassmanagement nach einem Klinikaufenthalt und die nachstationäre Versorgung zu Hause betrachtet.


Josef Ege von der Kreissparkasse Biberach (1.von links) überreichte einen Scheck in Höhe von 5.000 Euro an den Verein „Unsere Brücke e.V. mit dem Initiator Prof. Dr. Norbert Heni (4. von rechts) und vom 1. Vorsitzenden Dr. Alfred Groner (2.von rechts)

Der Fachtag bot mit vier Referaten und einer Expertendiskussion einen fachlich interessanten und zudem kurzweiligen Nachmittag für das Publikum. Es setzte sich hauptsächlich aus Beteiligten in der medizinischen Akutversorgung, der Pflege und der Krankenkassen zusammen.

Prof. Frank Schulz-Nieswandt von der Universität zu Köln, Professor Stefan Nöst von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Stefan Ries, Pflegedirektor der Sana Kliniken im Landkreis Biberach, und Professor Hermann Brandenburg von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar referierten rund um die Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Kern wiesen alle Experten darauf hin, dass das Entlassungsmanagement der Kliniken nur die eine Seite der Medaille sein könne, selbst wenn es immer weiter optimiert werde. Für die Versorgung der immer größer werdenden Zahl von älteren Patienten sind auch verlässliche Strukturen im häuslichen Umfeld notwendig, da die eigenen Netzwerke im höheren Lebensalter immer fragiler werden. Die Betroffenen benötigen Beratung und Begleitung, insbesondere wenn nach der Klinikentlassung zwar noch keine Pflegebedürftigkeit im engeren Sinne vorliegt, aber die Selbstversorgung in der nachstationären Genesungsphase noch nicht oder nicht mehr vollständig gelingt.

Im Rahmen der Tagung wurde auch das Projekt „Unsere Brücke e.V.“ vorgestellt. „Unsere Brücke e.V.“ ist eine Möglichkeit, die Entlassung von Patienten nach Hause zu erleichtern und sie in dieser kritischen Phase besser zu unterstützen. Die Begleitung erfolgt durch Klinikmitarbeiter. Sie unterstützen die Patienten in der ersten Zeit nach der Entlassung auch zu Hause. Das Programm „Unsere Brücke“ wird von einem Förderverein getragen und überwiegend aus Spendengeldern finanziert. Der Verein wünscht sich, dass das Angebot langfristig über eine Regelfinanzierung gesichert wird. 

In der Expertenrunde diskutierten mit einander der Pflegedirektor der Sana-Klinik Stefan Ries, der Kreisärzteschaftsvorsitzende und niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Arnulf Haas, Petra Hybner als Vertreterin des Pflegestützpunktes im Landkreis Biberach, Dr. Sabine Krieg vom Referat Pflege des Ministeriums für Soziales und Integration, Petra March, Leiterin des Referats Pflege der AOK Hauptverwaltung in Stuttgart und Dr. Alfred Groner Vorstandsmitglied des Vereins „Unsere Brücke e.V“.

Es braucht gute und stabile Netzwerke
Auch in dieser Runde wurde betont, dass es unabhängig vom Krankenhausaufenthalt notwendig ist, im häuslichen Umfeld der Menschen gute und stabile Netzwerke wie zum Beispiel die Nachbarschaft oder der Freundeskreis zu etablieren. Damit haben Kliniken die Möglichkeit, den Betroffenen in eine ihn unterstützende Umgebung zu entlassen. Menschen müssen auch dafür sensibilisiert werden, sich in Zeiten, in denen sie noch keine Hilfe brauchen, bereits über Netzwerke und Unterstützung Gedanken zu machen. Hilfreich dafür ist, wenn der Betroffene auch bereit ist, sich in bestimmten Situationen helfen zu lassen. Als große Herausforderung wird gesehen, in den Städten und Gemeinden sogenannte „sorgende Gemeinschaften“, also kleinräumige und sektorenübergreifende Hilfe- und Unterstützungsnetzwerke zu schaffen. Es geht darum die lokalen Angebote zu bündeln, Kooperationen zu schaffen und die Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger durch Beteiligung zu stärken.  Den Kommunen kommt hier eine wichtige Verantwortung zu. Der Landkreis Biberach kann hier bereits auf verlässliche Partner zurückgreifen, die sich dem Thema seit Jahren widmen, wie beispielsweise Caritas und Diakonie, mit den Angeboten der Basisversorgung oder die Seniorengenossenschaft Riedlingen und die Bürger Sozial Genossenschaft Biberach und viele weitere Netzwerke. Erste Kommunen gehen auch Quartiersentwicklungen mit Bürgerbeteiligung an.

Der detaillierte Bericht des Fachtages mit den Referaten findet sich unter https://www.biberach.de/?id=3710.