Pressemitteilung

20.03.2020 09:31 Alter: 109 days

Ein Stück Sicherheit in unsicheren Zeiten

„Guten Tag, Sie sprechen mit dem Bürgertelefon des Landratsamtes Biberach. Was kann ich für Sie tun?“, sagt die junge Frau an Leitung 1 des Bürgertelefons. So oder so ähnlich melden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes bis zu 900 Mal täglich, um Fragen von Bürgerinnen und Bürgern rund um das Coronavirus zu beantworten.


Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes Biberach am Bürgertelefon.

In Spitzenzeiten, meist morgens, sitzen zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Abstand von zwei Metern in einem Raum und kümmern sich um die Probleme der Anrufer. In der Regel im Zwei-Schicht-Betrieb, wenn ganz viele Anrufe eingehen, auch im Drei-Schicht-Betrieb, denn spätestens nach vier Stunden ist die Schicht zu Ende. „Der Telefondienst ist anstrengend, aufreibend, man braucht viel Empathie, um sich um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmern zu können“, sagt eine Mitarbeiterin. Für ihren Einsatz im Bürgertelefon wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigens geschult, denn eigentlich arbeiten sie im Jobcenter, als Sachbearbeiter in der Führerscheinstelle oder Sekretärin in einem eigenen Amt. Nach ihrem Telefoneinsatz kehren sie an ihren Arbeitsplatz im Landratsamt zurück.

Oft die gleichen Fragen
Die Fragen, die gestellt werden, sind oft die gleichen. Viele Anrufer klagen über Symptome wie Husten, Halsschmerzen oder Fieber. Wenn sie in den vergangenen vierzehn Tagen in einem vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet waren oder in unmittelbarem Kontakt mit einer positiv getesteten Person standen, wird ihnen empfohlen, telefonisch mit dem Hausarzt oder dem hausärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116117 Kontakt aufzunehmen. „Unmittelbarer Kontakt heißt, mindestens 15 Minuten im Abstand von weniger als zwei Metern beieinander sein“, ergänzt Kreisgesundheitsamtsleiterin Dr. Monika Spannenkrebs. „Bei leichten Symptomen empfehlen wir vierzehn Tage daheim zu bleiben und sich auszukurieren. Da die Testkapazitäten der Labore völlig überlastet sind, empfehlen wir weiterhin, dass Personen mit Symptomen ihr Umfeld informieren und ebenfalls darauf hinweisen, Kontakte noch weiter als bisher zu meiden.“ Häufig werde auch die Frage gestellt, was man tun solle, wenn man aus einem Risikogebiet zurückgekommen sei oder mit einem Infizierten kurz Kontakt hatte. „Hier gilt die Empfehlung, die sozialen Kontakte in den nächsten 14 Tagen auf ein Minimum zu reduzieren und zu beobachten, ob Symptome auftreten und wenn Symptome auftreten, diese ebenfalls zuhause auszukurieren.“ Dr. Spannenkrens weiter: „Ob ein Test durchgeführt wird oder nicht, ändert nichts am Verlauf der Erkrankung und nichts daran, dass weitere Ansteckungen vermieden werden müssen.“ Tests sind zukünftig nur noch für Personen mit schweren Symptomen möglich und für Fragestellungen aus systemrelevanten Berufsgruppen oder besonders gefährdeten Gruppen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Bürgertelefon schreiben alles auf, dokumentieren, machen Vermerke. Seit Donnerstag sitzt auch ein Rettungssanitäter der Integrierten Leitstelle am Bürgertelefon. „Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Bürgertelefon einmal nicht wissen, ob es sich um ein dringendes gesundheitliches Problem handelt, ziehen sie mich hinzu. Ich kann schnell entscheiden, ob wir an den Hausarzt verweisen oder gegebenenfalls den Notdienst einschalten müssen“, sagt Rettungssanitäter Hendrik Frohnwieser. „Ich höre zum Beispiel, ob jemand stark verschleimt ist oder wirklich Atemnot hat. Außerdem bespreche ich mich regelmäßig mit einem Arzt.“ Sind die medizinischen Fragen nicht so drängend, wird oft auch ein Rückruf eines Arztes des Gesundheitsamtes in Aussicht gestellt. „Das schaffen wir mittlerweile aber nicht immer am gleichen Tag“, bittet Dr. Spannenkrebs um Verständnis. „Wir tun, was wir können.“

Lagebesprechung am Morgen
Jeden Morgen gibt es eine Lagebesprechung, in der besondere Fälle geklärt werden. Das Wissen aus diesen Besprechungen hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Bürgerinnen und Bürger noch besser zu beraten. In vielen Fällen müssen sie aber auch an andere Stellen weiterleiten.  

Und wieder klingelt das Telefon. „Guten Tag, Sie sprechen mit dem Bürgertelefon des Landratsamtes. Was kann ich für Sie tun?“ Am anderen Ende ein Selbstständiger, dessen Geschäfte von heute auf morgen eingebrochen sind und der nach finanzieller Hilfe frägt. Er wird auf die Internetseiten des Wirtschaftsministeriums und der Kammern verwiesen. „Vieles dazu sei noch nicht geregelt“, so der Mitarbeiter am Telefon. Auch wird ihm ein Rückruf zugesagt.

Landrat ist das Bürgertelefon wichtig
Zwischendurch, bevor das Telefon wieder klingelt, schaut Landrat Dr. Heiko Schmid vorbei. Ihm ist das Bürgertelefon wichtig, deshalb hat er entschieden, es auch am Wochenende am Netz zu lassen. Er möchte wissen, mit welchen Fragestellungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konfrontiert werden und dankt ihnen. „Sie machen einen guten und außergewöhnlichen Job. Sie hören zu, nehmen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger auf und ernst und helfen weiter. Herzlichen Dank.“ Dann geht es bei ihm weiter zum nächsten Termin in Sachen Corona und das Bürgertelefon klingelt schon wieder.

„Zu 99 Prozent sind die Anrufer nach den Gesprächen beruhigt“, sagt Thomas Schelkle, Leiter der Kreiskämmerei, der an diesem Vormittag zusammen mit Monika Selg vom Haupt- und Personalamt Ansprechpartner für die Mitarbeiter der Hotline ist.

Es ist das Gehört-Werden, die Gewissheit, dass am anderen Ende der Leitung jemand sitzt, der einen ernst- und wahrnimmt, der da ist und sich kümmert, die in diesen unsicheren Zeiten für ein Stück Sicherheit sorgt. „Wenn die Menschen eine Auskunft von offizieller Seite erhalten, dann sind sie schon etwas beruhigter. Und das spiegeln sie uns auch“, weiß Monika Selg,

Das Gespräch auf Leitung 1 neigt sich dem Ende zu. „Schauen Sie, dass Sie wieder gesund werden“, sagt die Mitarbeiterin am Bürgertelefon sanft und legt den Hörer auf. Dann holt sie kurz Luft, lächelt und nimmt den nächsten Anruf entgegen.

Bürgertelefon am kommenden Wochenende

Das Bürgertelefon ist am kommenden Wochenende von 9 Uhr bis 15 Uhr geschaltet und unter der Telefonnummer 07351 52-7070 zu erreichen. Außerdem ist der hausärztliche Notdienst unter der Telefonnummer 116117 erreichbar und die Hotline des Landesgesundheitsamtes unter der Nummer 0711 904-39555.

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