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Museumsdorf zeigt ab 9. Juni die Ausstellung „Heute: Wahltag!“


Die Ausstellung ist im historischen Rathaus aus Andelfingen zu sehen, das schon in seinem Namen die Mitbestimmung der Bürger zeigt: Das „Rathaus“ ist nach dem Gemeinderat, nicht dem Bürgermeister benannt.

Politische Mitbestimmung mit langer Tradition

„Wählen gehört für uns selbstverständlich zur Demokratie: Wählen heißt mitentscheiden, das galt früher wie heute“, betont Landrat Mario Glaser. „In Oberschwaben gibt es eine lange Tradition, dass im Dorf vieles selbst entschieden wurde – auch das wollen wir mit dieser Ausstellung zeigen.“

Die politische Mitbestimmung betraf nicht nur gemeinsame Eigentum – fast alle Dörfer besaßen (und besitzen) Wiesen oder Wald –, sondern auch die Regeln des Zusammenlebens. Die Herausforderungen haben sich aber über die Jahre verändert: Früher wurde geregelt, wer sein Vieh wo weiden lassen durfte, heute regelt die Gemeinde die Kinderbetreuung, plant Wohngebiete und baut das Glasfasernetz aus.

Früher: Lebenslänglich

„Mir war beispielsweise neu, dass im frühen 19. Jahrhundert die Schultheißen und Gemeinderäte auf Lebenszeit gewählt wurden“, schmunzelt Landrat Mario Glaser. „Das würde manch einem vielleicht auch heute noch gefallen, doch zum Glück hat sich unsere politische Kultur hier weiterentwickelt.“ Das gelte umso mehr für die Frage, wer eigentlich zur Wahl gehen dürfe: „Um 1900 durften nur Männer über 25 wählen – damit blieben rund 80 Prozent der Menschen im Dorf ohne Stimme. Seit 1919 dürfen endlich auch Frauen mitbestimmen und heute stimmen bei der Kommunalwahl auch Jugendliche ab 16 Jahren mit. Damit haben rund 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Chance auf politische Mitbestimmung, das ist Chance und Verpflichtung zugleich.“

Die kleine Ausstellung zeigt auch, dass in einem Dorf wie Andelfingen Kommunalpolitik nicht immer einfach war – immerhin kannte jeder jeden, es menschelte manchmal heftig. Und so können die Besucherinnen und Besucher im Museumsdorf erfahren, warum der Gemeinderat von Andelfingen auf das Eintreiben von Steuern verzichten wollte, es ein Wirt dank Freibier 1906 ins Rathaus schaffte und sich Schultheiß und Pfarrer über Jahre hinweg gegenseitig ärgerten – filmreif, wie Don Camillo und Peppone.

Die Ausstellung „Heute: Wahltag“ ist ab 9. Juni bis 3. November 2024 im historischen Rathaus aus Andelfingen zu sehen.

Landrat Marion Glaser inmitten der  Ausstellung „Heute: Wahltag“ im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach.

Wählen war ein hart umkämpftes Recht – erstmals durften Frauen in Württemberg im Jahr 1919 wählen. Auch diese Geschichte erzählt die Ausstellung „Heute: Wahltag“ im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach.

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