eea - Energiepolitisches Leitbild des Landkreises Biberach

Präambel

Der Landkreis Biberach ist den Themenfeldern Klimaschutz und Energieeinsparung in besonderer Weise verpflichtet. Dies kommt durch vielfältige Aktivitäten, Projekte und Maßnahmen in den Bereichen des Klimaschutzes und der Energieeinsparung sowie nicht zuletzt durch die erfolgreiche Teilnahme an der Zertifizierung des European Energy Award (eea) im Jahr 2013 zum Ausdruck. 

Dem Landratsamt als kommunale Kreisverwaltung und untere Verwaltungsbehörde des Landes kommt mit seinen vielfältigen Kontakten zu den Bürgern, Unternehmen und Institutionen des Landkreises dabei eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung umweltpolitischer Aufgaben zu.

Mit dem energiepolitischen Leitbild geht der Landkreis Biberach eine langfristige Selbstverpflichtung ein, den Klimaschutz durch Energieeinsparung, energieeffizientes Verhalten und der Nutzung von erneuerbaren Energien zu initiieren, maßgeblich zu unterstützen und auch selbst durchzuführen.

Der Landkreis möchte Vorbild für Industrie, Gewerbe, Kommunen und Bürger sein, diese Ziele zu übernehmen, und sie bei der Umsetzung durch Beratung und Einzelprojekte unterstützen.

Das energiepolitische Leitbild basiert auf der periodischen Bewertung im Rahmen des European Energy Award (eea), sowie der Grundlage einer fortschreibbaren Energie- und CO2-Bilanz mit Rückblick auf bereits umgesetzte und laufende kommunale Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen.

Der Landkreis Biberach ist als Betreiber eigener Unternehmen (u. a. Abfallwirtschaft) und im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung ein wichtiger umweltpolitischer Akteur, zum Beispiel

  • beim nachhaltigen und rationellen Energieeinsatz und der Förderung regenerativer Energien,
  • bei der Nahverkehrsplanung und -förderung,
  • beim Betrieb kommunaler Einrichtungen (z. B. im Bereich der Abfallwirtschaft), sowie
  • im Bereich des Umweltschutzes. 

Die Untere Verwaltungsbehörde wirkt als Träger öffentlicher Belange oder Rechtsaufsichtsbehörde der Städte und Gemeinden zudem z. B. auch im Rahmen der Bauleitplanung darauf hin, dass die Belange des Umweltschutzes von den betreffenden Gemeinden beachtet werden. 

Der Landkreis übernimmt eine Vorbildfunktion in Umweltbelangen. Vorrangig dabei ist die konsequente Umsetzung einer Umweltpolitik, die auf dem Grundsatz der Nachhaltigkeit basiert. 

Die formulierten Zielvorgaben sind angesichts der Erfordernisse und vor allem der Potenziale eine echte Herausforderung. Angesichts der Komplexität und Dynamik des Themas können in einem Leitbild gleichwohl keine konkreten Maßnahmen zur Zielerreichung formuliert werden. Diese werden im aktuell in Erstellung befindlichen Klimaschutzmasterplan erarbeitet.

Unsere Klimaschutzziele bis 2050:

Der Landkreis Biberach wird seinen CO2  Ausstoß in allen Sektoren nachhaltig senken, die Energieeffizienz steigern, sowie den Anteil der regenerativen Strom- und Wärmeerzeugung erhöhen. Ziel ist, die EU-, Bundes- und Landesziele umzusetzen oder zu überbieten.

Die Ziele des Landkreises Biberach sind für alle Sektoren mit Industrie und Verkehr formuliert. Der Einfluss auf die Maßnahmen, die im Industriesektor getätigt werden, ist dabei gering, sollte jedoch aktiv angegangen werden. Dort wo es möglich ist, werden die Beteiligten versuchen, die gesetzten Ziele einzuhalten und zu erfüllen. In Unternehmen, in denen der Landkreis Gesellschafter ist, wird er sich aktiv für die Übernahme der genannten Ziele einsetzen. 

Die Energie- und Klimaschutzstrategie des Landkreises Biberach beinhaltet folgende Eckpunkte:

  1. Als Gesellschafter der Energieagentur Biberach bzw. Ravensburg tragen wir in den Kommunen, der Wirtschaft und in den Privathaushalten des Landkreises mit unabhängiger Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Projektinitiativen, flächendeckend zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz bei;
  2. Als Anwärter auf den European Energy Award (eea)- Gold hat der Landkreis Biberach das ehrgeizige Ziel, dass über 50 Prozent der Gemeinden über 2.000 Einwohner, an einem Klimaschutzprozess (eea) teilnehmen;
  3. Analyse von vorhandenen sinnvollen Potentialen bei der Energieeinsparung und bei der regenerativen und effizienteren Energieerzeugung, wie bei der Nutzung industrieller Abwärme, Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaik oder Geothermie. Ungenutzte Wärme von bereits vorhandenen Biomasseanlagen oder Gewerbe- bzw. Industrieunternehmen. Ziel ist der Ausbau von Wärme- bzw. Biogasnetzen;
  4. Laufende Optimierung des eigenen Fuhrparks auch mit Maßnahmen zur Reduzierung von Dienstreisen (z.B. durch vermehrte Telefon- und Videokonferenzen);
  5. Ausbau und weitere Verbesserung des ÖPNV-Angebots, ggf. auch gemeinsam mit den Nachbarkreisen, sowie Ausbau des Radwegenetzes vor allem auch im Zuge von Kreisstraßensanierungen;
  6. Unterstützung des Aufbaus einer leistungsfähigen Infrastruktur für Elektromobilität im Landkreis Biberach. Darstellung von Best-Practice-Projekten von Kommunen, Schulen und der Wirtschaft als Energieplusregion. Durchführung eines jährlichen Energiewirtschaftsforums mit regelmäßigem Erfahrungsaustausch;
  7. Förderung eines umweltverträglichen Tourismus;
  8. Energieeffizienzsteigerung bei den landkreiseigenen Liegenschaften. Als Mindestanforderung wird bei Modernisierungsmaßnahmen von Altbauten mindestens das „Effizienzhaus 100“ (EnEV 2014) vorgegeben.
  9. Regelmäßige Mitarbeiter- und Hausmeisterschulungen zur effizienten Energienutzung bzw. "Energieeffizienz in der Verwaltung".
  10. Der Landkreis Biberach nimmt im Rahmen des European Energy Awards ® (eea) an einer periodischen Bewertung seines Energiemanagements teil. Dabei wird das Handeln im Verkehrs-, Energie- und Umweltbereich fortlaufend und strukturiert auf Verbesserungsmöglichkeiten überprüft und ggfs. angepasst. Maßnahmen werden in ihren Auswirkungen beurteilt, die Rangfolge des Umsetzungszeitraums wird festgelegt und im Rahmen des Energiepolitischen Arbeitsprogramms vom Kreistag als Vertretung der Bevölkerung beschlossen.