Langenenslingen, Holzbach

Ausgangslage/Konflikt

Die Gemeinde Langenenslingen plant ein Baugebiet im Gewann „Stucken“. Das anfallende Regenwasser soll über ein Retentionsbecken und einen Regenwasserkanal in den Holzbach abgeleitet werden. Die geplante Einleitestelle wird vom Biber aufgestaut. Direkt oberhalb des Biberdamms befindet sich die Biberburg (Abb. 44). Damit die Regenwasserableitung funktioniert, können unterhalb der Einleitestelle aber keine Biberdämme geduldet werden.

Bildautor: Josef Grom, Biberberater
Abb. 44: Biberlenkungsmaßnahme am Holzbach (M.1:15.000)

Lösungsmöglichkeiten

Variante I: Verlängerung des Regenwasserkanals bis uh. des Biberdamms

Wenn die Biberburg weiterhin bestehen bleiben soll, muss die Einleitestelle des Regenwasserkanals mind. bis unterhalb des Biberdamms verlängert werden. Nach Auskunft der Gemeinde bzw. des Ingenieurbüros betragen die Mehrkosten für einen ca. 127 m längeren Kanal rund 40.600 €.

 

Variante II: Verlängerung des Regenwasserkanals bis zur Holzgasse

Um das Biberrevier nicht zu stark einzuschränken bzw. den Unterhaltungsaufwand der Gemeinde auf einem verträglichen Niveau zu halten, gibt es noch den Lösungsansatz mit einer Verlängerung des Regenwasserkanals um ca. 490 m (bis zur Holzgasse). Dies ist mit zusätzlichen Kosten von ca. 165.000 € und diversen technischen Schwierigkeiten verbunden.

 

Variante III: Planungsvariante mit Verschiebung des Biberreviers bachaufwärts

Der Regenwasserkanal wird gebaut wie geplant. Der Biber wird bachaufwärts abgedrängt.

Die Holzbachniederung oberstromig der geplanten Einleitungsstelle weist seit der Flurbereinigung breite (gemeindeeigene) Gewässerrandstreifen auf. Es sind allerdings nur wenige Ufergehölze vorhanden. Der Gewässerabschnitt muss deshalb noch als Biberlebensraum optimiert werden.

 

Die Mehrkosten der Varianten I und II müsste die Gemeinde tragen, d. h. die Kosten würden auf die Bauplatzpreise umgelegt. In Abstimmung mit dem Biberbeauftragten und dem Regierungspräsidium wird Variante III verfolgt. Die Lenkung des Bibers geschieht durch Störung. Unterhalb der geplanten Einleitestelle des Oberflächenwassers werden außerhalb der Fortpflanzungszeit des Bibers alle Dämme gerissen. Außerdem wird die bestehende Biberburg zerstört (Abb. 45). Zuvor wurden im neuen Lebensraum mehrere Futterplätze mit Äpfeln und Mais eingerichtet (Ablenkfütterung, Abb. 46). Das Winternahrungsangebot des Bibers wird durch Weidenstecklinge verbessert. Übergangsweise wird an den Futterplätzen auch Schnittgut von Gehölzen ausgelegt.

Bildautor: Josef Grom, Biberbeauftragter
Abb. 45: Zerstörte Biberburg
Bildautor: Josef Grom, Biberbeauftragter
Abb. 46: Ablenkfütterung mit Äpfeln und Mais