Rede des Landrats anlässlich der Eröfnung der Ausstellung "Im Zeichen der Ewigkeit" am 27. April 2012 in Bad Schussenried

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Rust,
sehr geehrter Herr Hörrmann,
sehr geehrter Herr Wall,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Deinet,
sehr geehrter Herren Dekane Schänzle und Koepff,
sehr geehrte Frau Dr. Renftle,
sehr geehrte Damen und Herren Kreisräte und Bürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Qui vivis et regnas in saecula saeculorum“ – „der du lebst und herrschst von Ewigkeit zu Ewigkeit“ - Diese Gebetsformel aus „Tantum ergo“ des Thomas von Aquin wird hier, im Bibliothekssaal der Schussenrieder Prämonstratenser, oft gemurmelt worden sein. „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“: die meisten jungen Leute werden bei dieser Formulierung weniger an Thomas von Aquin denken, sondern eher an die Hamburger Rockgruppe „Selig“, deren letztes Album und Hitsingle eben genau so hieß: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

Die Frage nach der Ewigkeit unseres Seins und Handelns bewegt die Menschen seit Jahrtausenden. Auch die Kunst sucht seit jeher eigene Zugänge. Unsere Ausstellung „Im Zeichen der Ewigkeit“ präsentiert mit den Arbeiten von Karolin Bräg und Madeleine Dietz, Wolfgang Laib und Robert Longo, Gabriela Nasfeter und Rita Grosse-Ruyken ausgewählte Positionen der internationalen Gegenwartskunst zu diesem ebenso vielschichtigen wie schwer darstellbaren Thema.

Zu den Künstlerinnen und Künstlern und ihren Arbeiten wird nachher Frau Dr. Barbara Renftle, Kuratorin der Ausstellung, Näheres beitragen.

Lassen Sie mich daher kurz auf den Ausstellungsort eingehen. Denn den barocken Rahmen der ehemaligen Reichsabtei Schussenried haben wir aus verschiedenen Gründen ganz bewusst für diese Ausstellung gewählt:

Erstens: Das Spannungsfeld von Irdischem und Ewigen in der Kunstgeschichte Oberschwabens war gerade in der Barockzeit als ungemein fruchtbar. Der Tod war in dieser Epoche durch Krieg und Krankheit allgegenwärtig. Die Zeitgenossen machten sich daher Gedanken über das Leben nach dem Tod, was sich auch in der Kunst niederschlug.
Bis heute zeugen in Oberschwaben zahlreiche Sakralbauten wie das Kloster Bad Schussenried von christlich-barocken Vorstellungen der Ewigkeit. Ein imposantes Beispiel hierfür ist der Schussenrieder Bibliothekssaal: Über unseren Köpfen stellt sich das Jenseitige und Ewige wie in einem Theaterstück dar.

Unsere heutigen Vorstellungen vom Irdischen und Ewigen unterscheiden sich von der barocken Geisteswelt deutlich. Daher bildet das Deckenfresko inhaltlich und künstlerisch einen klaren Kontrastpunkt zu den zeitgenössischen Arbeiten, die wir hier präsentieren: Die Kunstwerke sind minimalistisch streng. Die Künstlerinnen und Künstler ließen ihre persönlichen philosophischen Ansichten einfließen. Diese persönlichen Vorstellungen äußern sich in den Aussagen der Kunstwerke.

Doch das Neue Kloster hier in Bad Schussenried haben wir auch aus weiteren Gründen als Ausstellungsort gewählt:  Denn zweitens: Eine Reihe starker Partner bündeln seit einigen Jahren ihre Kräfte, um aus dem Kloster ein Ausstellungsort mit überregionaler Strahlkraft zu machen. Neben dem Landkreis Biberach und der Stadt Bad Schussenried auf regionaler Ebene sind auch das Finanzministerium durch die Staatlichen Schlösser und Gärten sowie das Wissenschaftsministerium durch das Landesmuseum Württemberg beteiligt. Herr Staatssekretär Jürgen Walter ist heute übrigens leider verhindert, weil heute die große Landesausstellung des Hauses der Geschichte eröffnet wird.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir uns ja in einer ganz ähnlich zusammengesetzten Runde ebenhalls hier zu einem Festakt eingefunden: Damals wurde die Ausstellung „Das Stille Örtchen“ der Staatlichen Schlösser und Gärten eröffnet. Beim Festakt habe ich seinerzeit mit Blick auf das Kloster etwas launig gefordert, aus dem „Stillen Örtchen“ Kloster Schussenried müsse ein „Lautes Örtchen“ werden.

Und wie viel ist seitdem geschehen! Die kulturgeschichtliche Hygiene-Ausstellung der SSG faszinierte zahlreiche Besucherinnen und Besucher, ebenso die Gesamtschau von Dürers druckgraphischen Werk, die SSG und die Stadt Bad Schussenried im Sommer präsentiert haben. Der Landkreis schloss im Herbst eine Ausstellung mit den Werken Daniel Brägs an. Und, um gleich den Blick nach vorn zu werfen: Im kommenden Juli werden wir im Rahmen des deutsch-österreichisch schweizerischen Ausstellungsprojekts „Experimentelle“ im Außenbereich des Klosters Skulpturen von Werner Pokorny und anderen präsentieren.

Die Ausstellung „Im Zeichen der Ewigkeit“ steht jedoch heute im Mittelpunkt. Die Ausstellung wurde vom Landkreis Biberach in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten, der Stiftung S BC – pro arte der Kreissparkasse Biberach und der Stadt Bad Schussenried organisiert. Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) hat das Projekt großzügig unterstützt, ebenso die Stiftung Rudolf Renftle und regionale Förderer.

Es ist uns außerdem eine große Ehre, dass wir Dr. Gebhard Fürst, den Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und Dr. Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, als Schirmherren der Ausstellung gewinnen konnten. Dies allerdings nicht im Sinne einer „Schirmherrschaft“, also einer Art Übermacht der Religion, sondern als Zeichen des Dialogs zwischen Kunst und Glaube.

Diese Dialogpartnerschaft zeigt sich auch im umfangreichen Rahmenprogramm mit Konzerten, Podiumsgesprächen und Vorträgen, dass wir gemeinsam mit dem katholischen Dekanat Biberach und dem evangelischen Kirchenbezirk Biberach gestalten. Am 4. Oktober werden hier im Bibliothekssaal – dieser Termin ist so neu, dass er im Ausstellungsflyer noch nicht abgedruckt ist – Herr Landesbischof Dr. July, Herr Weihbischof Kreidler und Vertreter des Landesrabbinats und der Muslime ein Gespräch über theologische Konzepte von Ewigkeit führen. Auch darin zeigt sich, meine Damen und Herren, die Strahlkraft dieser Ausstellung.

Zum Ende möchte ich die Gelegenheit nutzen, um den genannten Partnern meinen Dank auszusprechen, allen voran den Staatlichen Schlössern und Gärten, der OEW, der Stiftung S BC – pro arte, der Kreissparkasse Biberach und den Kirchen.

Karl Valentin, der große Münchner Wortakrobat, bemerkte einmal trocken: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Mein Dank gilt daher auch all jenen, die die vielen kleinen und großen Arbeiten hinter den Kulissen geplant und realisiert haben. Ich möchte mich herzlich bei meinem Kulturamtsleiter Dr. Jürgen Kniep bedanken, der mit großem Engagement zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen hat. Mein Dank gilt außerdem dem Ps. Planungsstudio und dem Grafikbüro Zweieinhalb, beide aus Biberach, genannt; stellvertretend für die Handwerker möchte ich der Firma Bauer aus Dietershausen danken, die die gesamten Ausstellungsräume dieses Stockwerks in White Cubes verwandelt haben – Sie werden, Herr Staatssekretär und Herr Hörrmann, Ihre Ausstellungsräume nicht wiedererkennen.

Diese Ausstellung wird, davon bin ich überzeugt, eine Strahlkraft weit über die Grenzen des Landkreises hinaus entwickeln. Denn „Im Zeichen der Ewigkeit“ setzt nicht auf Sensationen oder oberflächliche Effekte, sondern versucht die Besucher auf spezifische Weise zu berühren.

In diesem Sinne wünsche ich den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung eindrückliche Begegnungen mit diesen Kunstwerken „im Zeichen der Ewigkeit“.