Rede des Landrats anlässlich der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbands am 15. Februar 2012 im Kurzentrum Bad Buchau

- Es gilt das gesprochene Wort -

Lieber Herr Kreisvorsitzender Gerhard Glaser,
meine sehr geehrten Mitglieder des Vorstandes, insbesondere meine Freunde aus dem Kreis Sigmaringen,
Abgeordnete, Mitglieder des Kreistages und der Gemeinderäte,
sehr geehrter Herr Präsident Rukwied,
sehr geehrter Herr Geschäftsführer Burger,
liebe Frau Elser als oberste Vertreterin der Landfrauen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Tag für Tag produzieren unsere Landwirte mit harter Arbeit unsere Lebensmittel. Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen auf ihre Leistungen. Zu Recht: Denn Sicherheit, Qualität und Vielfalt unserer Lebensmittel sind größer denn je. Gleichwohl nimmt das Interesse der Menschen in unserem Land an einer Landwirtschaft zu, die im Spannungsfeld knapper Ressourcen effizient und nachhaltig wirtschaften muss. Vermehrt richten Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Fragen, Wünsche und Erwartungen an unsere Landwirte und die Ernährungswirtschaft. Das ist zunächst eine Herausforderung, aber auch eine Chance für die Branche.“

Diese Worte stammen nicht von mir. Sie stammen aus dem Vorwort von Ilse Aigner zur Charta für Landwirtschaft und Verbraucher, die jüngst auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt wurde.

Die Charta wurde heftig diskutiert und kritisiert. Zu Recht oder zu Unrecht kann von Ihnen jeder selbst beantworten. Ilse Aigner hat aber insofern recht, als dass die Verbraucher immer kritischer gegenüber den Landwirten und der Ernährungswirtschaft werden und dass sich darin für die Landwirtschaft eine Chance ergibt.

Die Chance liegt nach meinem Dafürhalten im Verständnis füreinander, also im Verständnis des Verbrauchers für das Tun des Landwirtes und im Verständnis des Landwirtes für die Reaktion des Verbrauchers.
Um dieses Verständnis gilt es jeden Tag zu werben. Konfrontation bringt keine Seite weiter. Noch nie waren der Konsens zwischen erfolgreich produzierenden Landwirten und der Verbraucher geringer als heute. Wir erleben eine dramatische Entfremdung. Die Kenntnisse über moderne Produktionsmethoden sind gering oder nicht vorhanden. Die Situation ähnelt dem Fußball: es gibt viele Meinungsmacher und wenig Experten. Deshalb müssen beide Seiten aufeinander zugehen.

Dieses aufeinander Zugehen geschieht am besten regional, lokal, also vor Ort. Und ich habe in unserem Landkreis durchaus das Gefühl, dass es zwischen den Landwirten einerseits und dem Verbraucher andererseits stimmt. Man kennt sich, man weiß, wer welche Produkte wo produziert. Unseren Kindern brauchen wir nicht erklären, warum die Kuh braun oder schwarz und nicht lila ist. Bei uns kann man die Kuh tatsächlich noch auf der Weide oder im Stall sehen.

Das ist die beste Imagewerbung für Ihren Berufsstand, wie auch der Kreisbauernverband mit Gerhard Glaser einen guten Job macht. Insofern kann ich Sie nur ermutigen, auf Ihrem Kurs weiter zu machen, ihn immer wieder kritisch zu reflektieren und für neue Ideen offen zu sein.

Sie, die Landwirte, sind im Landkreis mit rund 3500 Erwerbstätigen eine Wirtschaftskraft, die den Anspruch von Teller und Tank unter einen Hut bringt. Die Landwirtschaft hat in den vergangenen acht Jahren in unserem Landkreis rund 300 Millionen Euro in Photovoltaik- und Biogasanlagen investiert. Dass dieses enorme Investitionsvolumen die Landschaft verändert, ist verständlich und nachvollziehbar und klar ist auch, dass nachwachsende Rohstoffe nicht wie Manna vom Himmel fallen.

Klar ist aber auch, dass durch diese Anlagen die Kritiker auf den Plan gerufen werden. Treten Sie diesen Kritikern offen und mit konstruktiven Vorschlägen entgegen. Die Idee, die Bürgermeister Hans Petermann eingebracht hat, durch Flächentausche Verkehrsbelastungen bei der Bestückung von Biogasanlagen zu vermeiden, halte ich durchaus für überlegenswert. Das Flurbereinigungsamt des Kreises kann Sie dabei unterstützen und wir könnten damit gemeinsam ein einmaliges Zeichen im Land setzen.

Wohl wissend, dass die anstehende EU-Förderperiode zu Veränderungen führen wird und vor dem Hintergrund der Mittelkürzungen des Landes im MEKA-Programm (Ausgleich für Umweltmaßnahmen), von denen der Landkreis mit 1,5 Millionen (2 Millionen Euro anstatt 3,5 Millionen) betroffen ist, dürfen Sie den Kopf nicht in den Sand stecken.

Wir als Landkreis und ich als Landrat stehen zu Ihnen, unterstützen Sie, wo wir können und was möglich ist; sei es bei Genehmigungen für Investitionsvorhaben, der Obst- und Gartenbauakademie, der Ernährungsakademie oder sei es im Bereich des Tierschutzes. Ich honoriere besonders die Anstrengungen der Landwirte, stets für besonders tierschutzgerechte Haltungsbedingungen zu sorgen. Im Landkreis Biberach werden seit Jahren keine Hennen mehr in Batteriekäfigen gehalten. Ich bin mir auch bewusst, dass viele Landwirte in diesem Jahr große Anstrengungen bewältigen, um die hohen tierschutzrechtlichen Anforderungen bei der Haltung von Schweinen umzusetzen.

Bei der Seuchenbekämpfung stehen wir in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Oberschwaben hat den größten Viehbestand in Baden-Württemberg, ist aber von den Tierkrankheiten, wie der BHV1, auch am meisten betroffen.

Damit wir wieder einen ungehinderten Handel zwischen Baden-Württemberg und Bayern erreichen, werden wir die Sanierung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln vorantreiben. Die Landwirte im Landkreis haben unsere Bemühungen für die Tiergesundheit in der Vergangenheit stets unterstützt. Dies hat auch die erfolgreiche Eindämmung der Blauzungenkrankheit gezeigt. Vielen Dank dafür.

Meine sehr geehrte Damen und Herren,
lassen Sie mich abschließend festhalten, dass der Kreisbauernverband Biberach-Sigmaringen einer der erfolgreichsten Verbände im Landkreis ist. Die Herausforderung wird sein, die stark spezialisierten Betriebe unter einem Hut zu behalten. Aber ohne einen leistungsfähigen Verband kann keine erfolgreiche Arbeit betrieben werden. Stehen Sie zum Einheitsverband. Die Stärke der Landwirtschaft war in den vergangenen Jahren immer ihre Einheit.

Suchen Sie auch die Einheit mit dem Verbraucher. Machen Sie Imagewerbung für sich im besten Sinne und schnüren Sie eine regionale Charta für die Landwirtschaft.