Rede des Landrats anlässlich des Neujahrsempfangs im Landratsamt

- Es gilt das gesprochene Wort -

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste.

Ich darf Sie am heutigen Abend alle recht herzlich hier im Landratsamt willkommen heißen. Es freut mich, dass sich so viele kinderreiche Familien angemeldet haben und der Einladung nachgekommen sind.

Begrüßen darf ich auch unsere heutigen Ehrengäste, die Damen und Herren aus dem Kreistag, die Bürgermeister aus unseren 45 Städten und Gemeinden, die Abgeordneten des Landkreises, Vertreter aus Kirche und Wirtschaft sowie die Damen und Herren Amtsleiter aus dem Landratsamt. Seien Sie alle recht herzlich gegrüßt.

Der diesjährige Neujahrsempfang steht ganz unter dem Motto „Familie“ und Sie haben es sicherlich schon gemerkt, heute ist mächtig was los in dem Haus. Über 100 Familien mit vier oder mehr Kindern sind der Einladung nachgekommen, d.h. über 400 Kinder sind heute hier beisammen.

Das „Kinderland Baden-Württemberg“ voranzubringen, ist Ministerpräsident Oettinger ein zentrales Anliegen, und damit ein neues Verständnis von Kindheit, Jugend und Familie; eine Politik, die sich an Kindern und Jugendlichen, ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten orientiert und in der verschiedene Politikfelder miteinander verschmelzen: Familien- und Bildungspolitik, Betreuung und Jugendarbeit, Demographie und Sozialpolitik.

Auch wir im Landkreis Biberach wollen Stück für Stück unseren Beitrag dazu leisten und die Bereitschaft, Verantwortung für Kinder zu übernehmen, unterstützen.

Mit großer Bestürzung habe ich neulich einen Artikel in der Zeitung gelesen, das Land habe seit 30 Jahren zu wenige Kinder. Laut Statistik bekommt jede Frau in Baden-Württemberg nur 1,3 Kinder, es sollten aber 2,1 sein, damit die Einwohnerzahl nicht weiter sinkt. Eine deutliche Differenz also, die es zu beheben gilt.

Stellt man sich die Frage, warum das so ist. Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist natürlich immer eine individuelle Entscheidung. Auf diese Entscheidung wirken aber auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein. Grundsätzlich setzt die Entscheidung für Kinder Stabilität und Sicherheit voraus. Werden die Zukunftsperspektiven als unsicher empfunden, wird eher auf Kinder verzichtet. Wichtige Einflussgrößen bei der Entscheidung für oder gegen Kinder sind darüber hinaus materielle Benachteiligungen, strukturelle Rücksichtslosigkeiten, aber auch der Verzicht auf Möglichkeiten der persönlichen Verwirklichung.

Wie kann man dem entgegenwirken? Zunächst einmal brauchen die Menschen in unserem Land wieder Zukunftsoptimismus. Das Thema der „Kinderarmut“ muss mitten in der Gesellschaft ankommen, Kinder müssen wieder als Reichtum begriffen werden. Dieser Rückgang der Bevölkerung durch Alterung ist in der Geschichte der Menschheit einmalig und dem gilt es gegenzusteuern. Ich habe mit meinen vier Kindern zwar schon einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, doch gilt es, dem Wertewandel in der Gesellschaft gegenzusteuern.

Wenn man heute in Deutschland ein Kind fragt, was es später einmal werden möchte, wird man die klassische Antwort "Lokomotivführer" oder "Astronaut" wohl nur noch selten zu hören bekommen. Sicherlich, die kindliche Berufsphantasie erfüllt sich nur selten. Dennoch verstecken sich in der Gesamtbetrachtung gerade hinter den frühen naiven "Lebensentwürfen" von Kindern wichtige Informationen über den Weg, den unsere Gesellschaft nimmt.

In den Wünschen der Kinder, denen die Welt noch vollkommen offen steht, spiegeln sich die gelebten Wertehaltungen der Gesellschaft wider. Denn welches Kind möchte nicht gerne einen Beruf ergreifen, der hoch in der Wertschätzung der sozialen Umgebung steht? Lokomotivführer und Astronauten waren lange Zeit Galionsfiguren der modernen Industriegesellschaft. Inhaltlich waren diese Jobs auch für kleine Kinder konkret fassbar und standen quasi für die Beherrschung komplexer Technologie.

Superstar statt Ingenieur – so kann man die Erwartungshaltung unserer Kinder heute zusammenfassen. Doch Ziel unserer Gesellschaft muss es sein, die Kinder wieder stärker für die Naturwissenschaften zu begeistern, damit wir unsere Dynamik in der Region nicht verlieren. Aber es gibt auch so viele Berufe, für die man kein jahrelanges Studium benötigt und man sich trotzdem darin verwirklichen und etwas Großes auf die Beine stellen kann. Traditionell und doch innovativ. Diese Eigenschaften lassen sich gut verbinden und stehen geradezu symbolisch für unseren Landkreis.

Kinder lassen unser Herz lachen. Und so möchte ich meine Ansprache mit einem kleinen Witz beenden, der zum heutigen Abend gut passt:
„Eine Gemeindeschwester kommt zu einer kinderreichen Familie. Als zwischen dem zahlreichen Nachwuchs auch noch eine Ente herumwatschelt, fragt sie mitleidig: "Auch noch eine Ente in dem kleinen Zimmer?" "Das ist keine Ente", meint ein Sprössling, "das ist der Klapperstorch - der hat sich bei uns die Beine abgelaufen."

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.