Rede des Landrats anlässlich der Einweihung Landwirtschaftsamt am 21. Mai 2010

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Joachim Hauck,
sehr geehrte Damen und Herren Kreisräte,
lieber Herr Vizepräsident und Kreisvorsitzender Glaser,
sehr geehrter Herr Architekt Munz,
verehrte Herren Handwerker,
lieber Herr Landwirtschaftsdirektor Basler,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zur Einweihung unseres neuen Landwirtschaftsamts darf ich Sie heute Nachmittag alle ganz herzlich willkommen heißen.

Mit dem Abschluss der Erweiterungs- und Umbau-maßnahmen hier in der Bergerhauserstraße ist ein wichtiger Meilenstein nach der Verwaltungsreform 2005 erreicht: Alle Sanierungs-, Um- und Erweiterungsbauten am Landratsamt und den anderen Gebäuden sind vorläufig abgeschlossen.

Nach einer Vielzahl an Reformen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, deren Ausgangspunkt ursprünglich einmal 3 Landwirtschaftsämter und 3 Landwirtschaftsschulen in Biberach, Laupheim und Riedlingen, sowie ein Tierzuchtsamt in Biberach waren, wird nun eine schlagkräftige Einheit geschaffen: das neue Landwirtschaftsamt Biberach mit Landwirt-schaftsschule sowie Obst- und Gartenbauakademie.
 
Die Zeit der „versammelten Hüttenwerke“– ein Standort hier, der nächste in der Waldseeerstraße und der Dritte in einem Pavillion, das eigentlich nur als Übergangslösung angedacht war und dann über 40 Jahre als Provisorium genutzt wurde, ist nunmehr vorbei.  Mit dem Neubau und der Sanierung des bestehenden Gebäudes sind die räumlichen Voraussetzungen für eine gute Aufgabenerfüllung geschaffen.

Die ersten Planüberlegungen für den Erweiterungsbau wurden dem Kreistag im März 2008 vorgelegt. Nach kontroversen Diskussionen, vor allem bezüglich der Dachform, (Stichwort: schlanke Verwaltung unter steilen Dächern) konnte sich der Kreistag schließlich auf den Entwurf des nun fertig gestellten Gebäudes einigen. Der umgesetzte Erweiterungsbau hebt sich mit seiner modernen Fassade gekonnt vom Altbau ab, wirkt aber nicht als Fremdkörper, sondern fügt sich geschickt in das Gesamtensemble ein.

Am 7. April des vergangenen Jahres fand hier der Spatenstich statt und nach einer Nettobauzeit von lediglich 8 Monaten konnte der Erweiterungsbau fertig gestellt werden.

  • 18 neue Büros wurden geschaffen und die Räume im Altbau saniert.
  • Der Neubau umfasst eine Nutzfläche von 507 m² und mit einem Kostenvolumen von 880.000 € unterschreiten wir erfreulicherweise die Be-rechnung leicht.
  • Die alte Ölkesselheizung wurde durch einen modernen Pelletkessel ersetzt. Pro Jahr reduzieren wir dadurch die CO²-Emmissionen um rund 70 Tonnen.
  • Im Altbau wurde der Kellerbereich trocken gelegt, Sanitäranlagen teilweise erneuert, ein behindertengerechtes WC eingebaut und ver-schiedene Brandschutzmaßnahmen umgesetzt, und
  • zu guter Letzt wurden im Bereich des früheren Pavillions zusätzliche Parkplätze angelegt.

Der Neubau und die Sanierung der bisherigen Gebäude mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Mio. € sind angesichts der Lage in den öffentlichen Haushalten keine Selbstverständlichkeit. Ich bin daher dem Kreistag überaus dankbar, dass er dieser Sanierung und diesem Neubau hier in der Bergerhauser Straße zugestimmt hat.

Ich denke Sie werden mich bestätigen, Herr Ministerialdirigent Hauck, es gibt nur wenige Landwirtschaftsämter im Land Baden-Württemberg die ähnlich gut untergebracht sind.

Doch die Herausforderungen sind vielfältig:

Weltweit steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln und an Biomasse für die stoffliche und energetische Nutzung. Experten schätzen, dass der Nahrungsmittelbedarf in den nächsten 20 Jahren weltweit um 60 % ansteigen wird – eine unglaubliche Herausforderung für die landwirt-schaftlichen Betriebe und uns in der Beratung. Parallel dazu soll der Anteil der Biomasse zur Energieversorgung in den nächsten 10 Jahren auf 20 % verdoppelt werden. Fläche wird damit zu einem seltenen Gut. Hinzu kommen Anforderungen und Wünsche aus dem Bereich des Natur- und Artenschutzes.

Der einzelne landwirtschaftliche Betrieb steht vor einem fast unlösbaren Spannungskonflikt und wir tun gut daran, unsere Betriebe bei der zukünftigen Entwicklung und bei der Ausbildung zu begleiten. Im Bewusstsein dieses Konflikts brauchen wir in der Beratung und in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung ein klares Ziel und einen Mindeststandard beim Ressourceneinsatz.

Die unterschiedliche Dynamik der landwirtschaftlichen Betriebe in den einzelnen Regio-nen des Landes führt wiederum zu ganz unterschiedlichen Entwicklungen auch bei den Landwirtschaftsämtern. Intensive und extensive landwirtschaftliche Regionen entwickeln sich auseinander und die Aufgaben, die die Landwirtschaftsämter und Fachschulen gerade in agrarisch starken Regionen zu bewältigen haben, wachsen stetig.  Meine Bitte daher an Sie, sehr geehrter Herr Hauck: berücksichtigen Sie die Struktur einer Region, wenn es in Stuttgart um die Frage geht, wie das Land seine Lan-desbediensteten auf die Regionen verteilt. Unterstützen Sie die Landkreise in intensiven agrarischen Regionen wie Biberach bei der Personalausstattung mit Landesbediensteten. 

Intern haben wir im kommenden Jahr noch das letzte Jahr der sog. Verwaltungsstrukturreform zu bewältigen, was eine Reduzierung unserer Ressourcen um 20 % beinhaltet. Unsere Mitarbeiter werden bei diesem Kraftakt bis an die Grenzen des Möglichen belastet. Hinzu kommt die Dynamik der Umsetzungsvorgaben aus Brüssel, die von uns ein stets flexibles Personalkonzept erfordern. Im Schnitt bekommen wir alle 5 Jahre eine mehr oder weniger große Agrarreform, die wir hier vor Ort umsetzen müssen. Das Jahr 2013 wirft bereits heute seine Schatten voraus.

Inmitten dieser Spannungsfelder bekennt sich der Landkreis Biberach mit dieser Baumaßnahme ausdrücklich zu seiner Landwirtschaft und lebt seinen Slogan: „Zwischen Reagenzglas und Weidezaun“. High-Tech und Landwirtschaft sind in unserem Landkreis kein Widerspruch, sondern eine symbiotische Einheit.

Zum Schluss gilt daher mein Dank:

  • den Kreisräten für die Bereitstellung der finan-ziellen Mittel,
  • Herrn Architekt Munz vom Architekturbüro JKLM aus Biberach und allen beteiligten Hand-werkern für die Planung, Bauleitung und Um-setzung dieser Baumaßnahme,
  • Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des  Liegenschaftsamts für die bauliche Begleitung der Maßnahme wie auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landwirtschaftsamts für das Mittragen mancher Unannehmlichkeit während der Bauphase und vor allem für die Eigenleistung, die Sie unentgeltlich und in Ihrer Freizeit beim Fassadenanstrich erbracht haben. Nur durch diesen außergewöhnlichen Einsatz unserer Mitarbeiter konnte der Sämann, dessen Bild unser Landwirtschaftsamt seit Jahrzehnten ziert ohne Überschreitung des vom Kreistag vorgegebenen Kostenlimits erhalten und erneuert werden. Ein herzliches Vergelt´s Gott dafür. Verbunden mit diesem Dank darf ich aber dem Mann an der Spitze des Landwirtschaftsamtes, Ihnen, lieber Herr Basler, zu Ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum gratulieren und Ihnen die dazugehörige Urkunde überreichen. Herzlichen Glückwunsch.

Ihnen, Herr Ministerialdirigent Hauck, danke ich für Ihr Kommen am heutigen Tag und dem Holzbläserquintett der Stadtkapelle Ochsenhausen für die musikalische Umrahmung.