Rede des Landrats anlässlich der Wiedereröffnung des Jünger-Hauses am 29. März 2011 in Wilfingen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Baron,
lieber Herr Ministerpräsident Dr. Teufel,
sehr geehrter Herr Angst,
Herr Prof. Dr. Raulff und Dr. Schmidt vom Literaturarchiv Marbach,
lieber Herr Bürgermeister Gebele zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistages,
sehr geehrter Herr Wall und Herr Dr. Stickel,
Familie Jünger und Familie Stauffenberg,
Mitglieder des Freundeskreises und an ihrer Spitze Herrn Vorsitzende Georg Knapp,
Vertreter aus den Ministerien und Hochschulen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Ernst-Jünger-Freunde,

die Wiedereröffnung des Jünger-Hauses ist für uns alle ein Anlass zu großer Freude.

Als Stiftungsratsvorsitzender der Ernst-Jünger-Stiftung freue ich mich einerseits , dass das Museum und die literarische Gedenkstätte nun als Bauwerk gesichert sind. Über 280 Jahre ist dieses Gebäude alt – ich hoffe, dass wir durch diese Maßnahmen nun für die nächsten 280 Jahre vorgesorgt haben.

Als Landrat des  freue ich mich andererseits, dass unser Landkreis, ja ganz Oberschwaben, eine kulturelle Perle zurückerhalten hat. Die Eröffnung als Museum im Jahr 1999 gemeinsam mit der Arbeitsstelle für literarische Museen im Deutschen Literatur-Archiv Marbach war bereits ein wichtiger Schritt; mit der Wiedereröffnung verbindet sich der Wunsch, einer noch breiteren Öffentlichkeit die Persönlichkeiten und die Werke von Ernst und Georg Friedrich Jünger nahezubringen.

Und dass wir mit diesem Ansinnen auf einem guten Weg sind, zeigt sich für mich daran, dass diese Wiedereröffnung auf eine unglaubliche Resonanz stieß: Die bundesweiten Medien berichten über dieses Ereignis und Sie alle, die Sie an diesem Dienstagmorgen den Weg nach Wilflingen auf sich genommen haben sind der beste Beweis für mich. Seien Sie auch von mir herzlich begrüßt und willkommen geheißen.

Meine sehr geehrte Damen und Herren,
in aller Kürze möchte ich die Beziehung zwischen Ernst Jünger, der Kunst und Oberschwaben beleuchten, denn: Ernst Jünger lebte nahezu ein halbes Jahrhundert in Wilflingen. Wurde er dadurch zum Oberschwaben? Diese Frage stellt sich von vornherein nicht: Ernst Jünger war ein Weltbürger. Doch war Oberschwaben gewiss seine Wahlheimat – während es seinen Bruder Georg Friedrich an den Bodensee zog, blieb Ernst Jünger in Wilflingen. Dass er hierher kam, mag Zufall gewesen sein; dass er hier blieb, war sicher Absicht.

Über Wilflingen schrieb er einmal: „Das Dorf hat mir sogleich gefallen. Seine Lage inmitten der weit gebreiteten, fruchtbaren Felder, Obstgärten und Wiesen, die Freundlichkeit der Bewohner, die damals noch sämtlich Bauern waren, behagte mir sehr. Seitdem sah ich manches sich verändern, doch Wilflingen ist dabei immer schöner geworden.“

Wie verwurzelt Ernst Jünger in der Region war, zeigte sich im Jahr 1990, als ihm der Oberschwäbische Kunstpreis verliehen wurde – seine erste Frage war, ob er „damit nicht einem Landsmann im Weg stünde“. Aus diesen Worten spricht tatsächlich ein „Weltbürger in Oberschwaben“.

Seine Rede bei der Verleihung des Oberschwäbischen Kunstpreises brachte zum Ausdruck, wie viel Ernst Jünger mit Oberschwaben als Kulturlandschaft verband. So sinnierte er darüber, dass er Braque und Picasso besucht habe – aber zugleich  von Anfang an den Kontakt zu hiesigen Künstlern gesucht und eben gefunden habe. Sehr optimistisch äußerte er sich zur zukünftigen oberschwäbischen Kunstszene: Er erwähnte einige Nachwuchskünstler, darunter auch Gerold Jäggle aus Ertingen. „Seine Skulpturen“, so Jünger weiter, „sind nicht nur wohlgelungen, sondern sind auch Versprechungen. Persönlich habe ich ihm eine Büste zu verdanken, die viel Beifall gefunden hat. Ich erwähne sie nicht meines Kopfes wegen, sondern zum Lobe der Hand, die sich mit ihm beschäftigte.“

Der Landkreis Biberach, der stets junge, einheimische Künstler unterstützt, hat dieses Werk seinerzeit angekauft; es ist die Bronzebüste, die Sie hier sehen.
 
Mir ist es daher eine Freude und Ehre, diese vom Dargestellten selbst so hervorgehobene Arbeit der Ernst-Jünger-Stiftung als Dauerleihgabe zu überreichen. Ich halte diese Arbeit eines damals 27-jährigen Jungbildhauers, der den 92-jährigen Weltliteraten aus der Nachbarschaft porträtiert, nicht nur für eine wundervolle Altersdarstellung Ernst Jüngers, sondern  für einen beeindruckenden Beweis, wie lebendig der Kulturraum Oberschwaben ist.Dies soll auch so verstanden werden als große Wertschätzung gegenüber dem Jünger-Haus.

Der Landkreis Biberach hat sich bereits in der Vergangenheit um die Einrichtung und den Erhalt der Gedenkstätte in hohem Maße bemüht und die Vorhaben entsprechend unterstützt. Und dass wir heute die Wiedereröffnung feiern können, haben wir mehreren Unterstützern und Förderern zu verdanken.

Mein Dank gilt deshalb der Denkmalstiftung mit Ihnen Herrn Angst an der Spitze. Summa summarum wurde in den vergangenen Monaten in dieses Haus nahezu 400 000 Euro investiert. Davon hat die Denkmalstiftung mehr als die Hälfte übernommen. Das Denkmalamt hat sich ebenfalls mit einem fünfstelligen Betrag beteiligt. Außerdem stellte die Leader Aktionsgruppe Oberschwaben über 30 000 Euro zur Verfügung. Herzlichen Dank. Baron von Stauffenberg als Eigentümer hat sich für diese öffentliche Gedenkstätte ebenfalls einen erheblichen Betrag investiert.

Mein Dank gilt gleichmaßen dem Literaturarchiv Marbach (Herrn Prof. Raulff und Herrn Dr. Schmidt), das neben einem finanziellen Beitrag für den Museumsbetrieb vor allem 9 000 Bücher und Erinnerungsstücke an Ernst Jünger in authentischer Umgebung den Besuchern präsentiert. Außerdem ist ein  Museumsführer geplant, wenn die Ausstellung zu Ernst Jüngers Leben und Werk im Erdgeschoss in den nächsten Jahren umgestaltet wird. Dort werden auch sein Bruder Friedrich Georg und seine Lektorin und Ehefrau Liselotte einen Platz bekommen.

Abschließend gilt mein den Stiftungsräten, Herrn  Wall und Herrn Bürgermeister Dahler sowie und dem Stiftungsvorstand der Ernst-Jünger-Stiftung, Ihnen Herrn Dr. Stickel. Die Sanierung des Hauses und die Nachlassverwaltung von Frau Jünger hat Sie und Ihre Mitarbeiterin Frau Elser in den vergangenen Monaten enorm beschäftigt und wird auch in Zukunft noch Zeit in Anspruch nehmen. Dafür gilt Ihnen mein ganz besonderer Dank.

Dem Ernst Jünger-Jünger Haus wünsche ich  in Zukunft die Aufmerksamkeit und die Besucherscharen , die dieses Haus verdient.